Die Künstlerbibliothek von Paul Flora  

Die Künstlerbibliothek von Paul Flora

 

Die Künstlerbibliothek von Paul Flora
Im Sommer 2015 konnte der Museumsverein die komplett erhalten gebliebene Bibliothek von Paul Flora für die Ferdinandeums-Bibliothek ankaufen. Auch wenn die Bearbeitung längst noch nicht abgeschlossen ist, kann von einer großartigen Bereicherung der Bestände gesprochen werden.

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Die Künstlerbibliothek von Paul Flora


Im Sommer 2015 konnte der Museumsverein die komplett erhalten gebliebene Bibliothek von Paul Flora für die Ferdinandeums-Bibliothek ankaufen. Auch wenn die Bearbeitung längst noch nicht abgeschlossen ist, kann von einer großartigen Bereicherung der Bestände gesprochen werden.


Als sich im Juni 2015 die Möglichkeit ergab, die Bibliothek von Paul Flora zu sichten und in der Folge zu erwerben, war rasch klar, dass diese Erwerbung sowohl qualitativ als auch quantitativ eine große Bereicherung für die Bibliothek werden würde. Vier Fuhren in einem voll geräumten Klein-LKW wurden an einem Tag verpackt und in die Bibliothek verbracht. Sehr rasch wurde deutlich, dass die Aufarbeitung das Team der Bibliothek über mehrere Monate begleiten würde, handelte es sich doch um ca. 5.000 Buchtitel, zahlreiche Zeitschriften, mehrere Tausend Fotografien, Postkarten, Plakate oder Arbeitsunterlagen.

 

Künstleratelier mit Überraschungen

Erfreulicherweise konnte auch der Inhalt des Künstler-ateliers im Zuge dieser Übernahme erworben, verpackt und ins Ferdinandeum verbracht werden. Dieser wiederum liefert wert-volle Informationen und Unterlagen zur Arbeits-weise des Zeichners, zu seinen Vorlagen oder Vor-lieben. Dass im Herbst eine Ausstellung zu Paul Flora im Ferdinandeum zu sehen sein wird („Paul Flora – Karikaturen“, 30. September 2016 – 26. März 2017), war zeitlich ein Zufall, eine glücklichere Programmierung allerdings ist sehr selten. Denn die Fülle an hochwertigem Ausstellungsmaterial, das nun für diese Präsentation zur Verfügung steht, macht die Auswahl der Ausstellungsexponate zu einer großen Aufgabe.

 

Objekterfassung

Die erste Herausforderung war jedoch, den umfassenden Bestand mit über 10.000 Einzelobjekten in eine sinnvolle und strukturierte Aufarbeitung zu bringen. Durch einen vom Museumsverein finanzierten Mitarbeiter konnte noch im Sommer eine komplette Eingangsliste aller Bücher erstellt werden. Auch wurde der Großteil der Bilddokumente bereits gescannt bzw. fotografiert. Dadurch existierte sehr rasch eine grobe Erfassung aller übernommenen Bestände, ohne dass diese bereits wissenschaftlich bearbeitet gewesen wären. Der Kuratorin der Flora-Ausstellung, Helena Pereña, konnte dadurch ein Überblick über die Bestände gewährt werden.

 

Floras Sammlungsstempel

In der Folge wurden alle Bücher nach Widmungen durchgesehen, besondere, limitierte Auflagen wurden bzw. werden in der Aufarbeitung vorgezogen. Die in den regulären Bestand übernommenen Objekte wurden alle mit einem eigens angefertigten Sammlungsstempel mit dem Wortlaut „Aus der Bibliothek Paul Flora“ versehen, sodass bei der Benutzung der Exponate die Herkunft sofort klar sein würde. So wurden bereits hunderte Inventarnummern mit einer Ferdinandeumssignatur versehen, können aber trotzdem der ursprünglichen Bibliothek bzw. Sammlung zugeordnet werden. Nach Abschluss der Arbeiten, die mit Sicherheit noch das gesamte Jahr 2016 dauern werden, soll dann auch eine Gesamtliste vorliegen, die alle übernommenen Bestände mit der aktuellen Signatur auflisten soll.

 

Künstlerbeziehungen

Die Bibliothek enthält zahlreiche Überraschungen. Hunderte Widmungsexemplare zeugen von einer Persönlichkeit, die großen Widerhall in der Kollegenschaft und weit darüber hinaus erzielt hat. Floras enge Verbindung zur Literatur zeigt sich in einer Fülle von hochwertigen literarischen Büchern, etwa von und zur Familie Mann oder zur österreichischen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Natürlich finden sich zu den zentralen Themen in Floras Werk wie Venedig, Richard Wagner, die Raben oder die Karikatur unzählige Bände, die die Ferdinandeumsbibliothek bereichern. Künstlerische Vorbilder wie Paul Klee, Pablo Picasso oder Alfred Kubin sind mit Werkkatalogen oder Monografien ebenso vertreten wie Zeitgenossen oder persönliche Freunde. Hervorzuheben sind die Kontakte zum Verlagshaus Diogenes und zur Wochenzeitung „Die Zeit“, die durch den Bestand sichtbar gemacht werden können.

 

Ergänzt wird der eindrucksvolle Bestand durch eine große Anzahl an Kunstwerken, die Paul Flora von anderen Künstlern geschenkt bekommen hat. Darunter finden sich etwa Werke von Franz Mölk, Hans Traxler oder Michael Hedwig. Leider fehlt hier der Platz, um auch noch auf die vielen anderen Besonderheiten einzugehen, die übernommen werden konnten.

 

Die Gegenwart ist mit ihrer digitalen Ausrichtung nicht immer buchfreundlich orientiert. Bücher werden im musealen Kontext vermehrt als Ausstellungsexponate denn als Informationsträger gesehen. Doch bietet sich, unabhängig von stets relevanten Platzfragen, durch die Übernahme einer solch geschlossenen Sammlung eine ein-malige Gelegenheit, eine Künstlerpersönlichkeit und ihr Umfeld möglichst umfassend zu dokumentieren. Dieser Aufgabe sollte sich die Bibliothek auch zukünftig nicht verschließen müssen.

 

Dank gilt einerseits Frau Ursula Ganahl-Flora für die Bereitschaft, uns die Flora-Bibliothek anzuvertrauen, andererseits dem Museumsverein für die unkomplizierte Finanzierung der Übernahme.

 

Roland Sila; in: ferdinandea 36, Mai bis Juli 2016