Albin Egger-Lienz, Dritter Entwurf zum „Ave Maria nach der Schlacht am Bergisel“, um 1893/94  

Albin Egger-Lienz, Dritter Entwurf zum „Ave Maria nach der Schlacht am Bergisel“, um 1893/94

 

Albin Egger-Lienz, Dritter Entwurf zum „Ave Maria nach der Schlacht am Bergisel“, um 1893/94, Gouache auf dünnem Karton, 36 x 49,8 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. E/588

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Albin Egger-Lienz, Dritter Entwurf zum „Ave Maria nach der Schlacht am Bergisel“, um 1893/94

 

Albin Egger-Lienz hat sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München im Herbst 1893 abgeschlossen. Im selben Jahr vollendete er das 1892 begonnene Bild „Karfreitag“, für das er die Große Silberne Medaille der Akademie erhielt und das noch vor seiner Ausstellung im Wiener Künstlerhaus 1894 von einem Wiener Mäzen erworben wurde. Sowohl durch diesen Verkauf als auch durch Einnahmen aus seiner Kopiertätigkeit sah sich der Künstler in die Lage versetzt, mit der Ausführung des Bildes „Ave Maria nach der Schlacht am Bergisel“ zu beginnen. Die ersten Entwürfe dafür sind bereits um 1893/94 entstanden. Neben einer Skizze in Kohle und Pastell und einer kleinen Bleistiftskizze hat der Künstler dafür auch einen weiteren, in Gouache ausgeführten dritten Entwurf angefertigt. Dieser zeigt bereits die endgültige Anordnung der Figuren, allerdings noch seitenverkehrt, um so die Möglichkeiten der Komposition zu erproben. Als Anregung und Vorlage dafür hat ihm der Holzstich „Choral nach der Schlacht von Leuten“ (1887) von Arthur Kampf aus der umfangreichen Holzstich-Sammlung des Künstlers gedient. Von Mai bis Herbst 1884 hat Egger-Lienz in Osttirol eine Reihe von lebensgroßen Ölstudien zum Gemälde gemalt.

Das endgültige Historienbild mit den Maßen 343 x 493 cm hat der Künstler 1896 vollendet. Im Sommer 1896 war es in der Jahresausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft (Nr. 138) ausgestellt und wurde 1897 aus der Ausstellung im Wiener Künstlerhaus durch das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht erworben. Am 28. Mai 1897 wurde es dem Ferdinandeum als Dauerleih-gabe überlassen.

Der „Dritte Entwurf“ zum Gemälde konnte mit Unterstützung der Raiffeisen-Landesbank Tirol AG aus Privatbesitz angekauft werden. Damit besitzt das Ferdinandeum nicht nur ein weiteres Werk aus der frühen Schaffens-zeit von Albin Egger-Lienz, sondern zugleich auch ein wichtiges Dokument zur Entstehung dieses ersten Historienbildes, mit dem sich der Künstler aus der Tradition der Münchner Historienmalerei eines Karl Theodor von Piloty löste. Es zeigt nicht das Kampfgeschehen am Bergisel, sondern schildert die Situation danach. 1898/91 sollte ihm ein weiteres folgen, nämlich „Das Kreuz“, das sich als Leihgabe des Landes Tirol ebenfalls in der Gemäldesammlung des Ferdinandeums befindet.

 

Günther Dankl; in: ferdinandea 34, November 2015 bis Jänner 2016, S. 12