Green man  

Green man

 

Die Figur des „Grünen Mannes“ taucht in Lois Weinbergers Arbeit immer wieder auf. Auf keltischen Wurzeln fußend, verbindet man mit ihm eine Art mystischen Archetypus bzw. eine Verkörperung der Natur. Durch einen spielerisch-ironischen Umgang mit Natur und Mystik verwandelt sich der Künstler in einen „Green Man“, indem er sein Gesicht mit grüner Farbe bestreicht. Aus Modellier-masse und Naturmaterial schafft er den „Gazi“, aus Kletten einen liegenden „Green Man“. Sie sind Zeichen für den unlenkbaren Geist des Lebenden und der Ursprünglichkeit.

Graphische Sammlungen,

Bild vergrößern ...

 

Ausgangspunkt der Arbeiten von Lois Weinberger ist die Natur und Kultur ihrer jeweils unmittelbaren Umgebung. So beginnt er bereits in den 1970 Jahren mit einer „fragmentarischen Bestandsaufnahme“ seines Geburtsortes Stams. Diese bildet die Ausgangsbasis für seine weitere Feldarbeit ebenso wie für die Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Motiven und Symbolen aus der Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere mit den Ruderalpflanzen, die gemeinhin als „Unkraut“ angesehen werden und daher im Gegensatz zur Ideologie einer reinen, schönen, durch den Mensch gebändigten Natur stehen.

Lois Weinberger zeigt neue Möglichkeiten der Betrachtung auf. Urbanität, Natur, Unterwanderung und deren Verschränkungen lassen neue Denkmodelle entstehen. Sein Interesse dabei gilt in erster Linie dem zumeist Unbeachteten, dem am Rande befindlichen. In seinen Arbeiten wird der Gegensatz von Mensch und Natur in seiner Vielschichtigkeit neu formuliert, erweitert und hinterfragt. Dabei wird dem geschriebenen Wort eine ebenso große Bedeutung beigemessen wie den wie zufällig erscheinenden Fundstücken, den Zeichnungen, Aquarellen, Collagen oder dem Einsatz von Fotografie und Video.

Weinberger hat mit seiner Arbeit die Debatte zu „Kunst und Natur“ in den 1990er Jahren bis heute maßgeblich mitbestimmt. Das 2013 in London erschienene Buch „Sculpture Now“ in der Reihe „World of Art“ zählt ihn international zu den bahnbrechenden Künstlern, die in der zeitgenössischen Kunst neue Wege beschreiten und Maßstäbe setzen. Der 1947 in Stams/Tirol geborene Weinberger wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so u. a. mit dem Kunstpreis der Stadt Wien (1988), dem Würdigungspreis für Bildende Kunst des Bundeskanzleramts (2005) und dem Tiroler Landespreis für Kunst (2006). Von 2003 bis 2009 arbeitete er teilweise mit seiner Frau Franziska zusammen an Projekten im öffentlichen Raum. Weinberger ist bei bedeutenden internationalen Ausstellungen vertreten, wie z. B. 1991 bei der Biennale in Sao Paolo, 1997 bei der documenta X in Kassel oder 2009 im Österreichischen Pavillon bei der 53. Biennale di Venezia. Weinberger lebt und arbeitet in Wien und in Gars am Kamp.