Julia Bornefeld, Fantasia e Bagatelle, 2009  

Julia Bornefeld, Fantasia e Bagatelle, 2009

 

Klavier, Stahl, 182 x 150 x 290 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. P 2334

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In einem kleinen aber feinen Musikclub in Kiel, der am Nord-Ostsee-Kanal gelegenen Geburtsstadt der Künstlerin (geboren 1963 ebendort), fand ihre erste Solo-Show statt. Heute stellt die von der Malerei kommende Julia Bornefeld regelmäßig in großen und namhaften Institutionen aus. Hierzulande dürfte die Künstlerin einigen von performIC 2009 bekannt sein, als sie gemeinsam mit zwei Kolleginnen im rot-weißen Dirndl in einem Fiat 500 durch Innsbruck kurvte. Ein Container fungierte bei dieser performativen Intervention zugleich als Garage für das Auto und temporärer Ausstellungsraum. Diese magische Box war somit Ausgangspunkt der Aktionen und Brennpunkt einer ambivalenten Sehnsucht nach der Ferne und dem Zuhause. Außerdem wagte die Künstlerin eine Verdichtung, indem sie tourismuskritische Überlegungen zum Ausdruck brachte, die sich auf der Basis von ökologischem und gesellschaftlichem Wandel stellen. Darüber hinaus gelang es Bornefeld, die sehr ernsthafte Reflexion unterschiedlicher Bedeutungen von Glück, auf eine humorvolle Art und Weise künstlerisch umzusetzen.

Witzig, dynamisch und an Prozessen der Veränderung interessiert spricht die Künstlerin auch aus anderen Werken. Dies zeigen insbesondere zwei raumgreifende Installationen der Personale „Alter ego komm tanz mit mir! oder die Emanzipation der Dissonanz“, welche die Galerie Thoman im Frühjahr 2009 organisierte. Unter anderem zogen ein von einem riesigen Messer durchschnittener Flügel und ein mit Kleidungsstücken behängtes Karussell die Blicke auf sich.

Demnach verwundert es nicht, wenn die Objekte der Einzelausstellung 2011 in der Studiogalerie des Ferdinandeums ebenfalls frech und haptisch daher kommen. Schon einmal war die Künstlerin – dies soll nicht unerwähnt bleiben – im Hause zu Gast und sicherte sich durch ein überdimensionales schwarzes Euter in der Ausstellung „Die Kunst der Landwirtschaft“ viel Aufmerksamkeit. Die Verquickung von Kunst und Musik ist ebenfalls eine Konstante in Bornefelds Schaffen. Die außergewöhnliche Musiksammlung mit zahlreichen historischen Instrumenten im Ferdinandeum muss sie besonders bewegt haben. Ihre Referenz auf vorhandene Ausstellungsstücke kommt nämlich in einer spielerischen Mixing-Technik zum Ausdruck. Dabei greift die Künstlerin gerne zu wuchtigen Materialien wie Holz, Messing und Stahl. Inhaltlich arbeitet sie sich an substanziellen Fragen ihres Alltags als Kunstschaffende auf einem umkämpften Kunstmarkt und in einem sich rasch verändernden Ausstellungsbetrieb ab.

Ausstellung im Ferdinandeum: Julia Bornefeld. Vanity and High Fidelity, 14. April bis 29. Mai 2011