Stangenglas mit Wappen der Familien Schlumpff und Kraft, 1588, Haller Glashütte  

Stangenglas mit Wappen der Familien Schlumpff und Kraft, 1588, Haller Glashütte

 

Stangenglas mit Wappen der Familien Schlumpff und Kraft, 1588, Haller Glashütte. Entfärbtes Glas mit leichtem Graustich, zylindrischer Körper mit angesetztem hohen Fuß, Email- und Goldmalerei, H 28,9 cm, Dm (Mundrand) 7,9 cm, Dm 12 cm (Fuß). Die beiden in Gold gemalten Inschriften sowie das Entstehungsjahr sind trotz des leichten Abriebs noch deutlich lesbar: "MARTIN SCHLUMPFF" (unten) "GOT ALLEIN DIE EHR 1588" (oben).

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. GL 851

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Das Glas entstand mit großer Wahrscheinlichkeit in der von 1534 bis 1603 in Hall in Tirol bestehenden Glashütte. Unter dem Eigentümer Johann Chrysostomus Hochstetter wirkten sich sowohl der künstlerische Einfluss der 1572 von Erzherzog Ferdinand II. in Innsbruck errichteten Hofglashütte als auch die Übernahme deutscher Gläserformen wie des "Spechters" oder "Stangenglases" sehr befruchtend auf die Glasproduktion in Hall und den Export der Waren aus. Das Stangenglas schmücken zwei Wappen mit Helm, Helmdecke und Helmzier: Der Wappenschild der in Nürnberg ansässigen Familie Schlumpff zeigt drei schwarze Pulverhörner auf goldenem Grund, jener der in Ulm beheimateten Familie Kraft (Krafft) – später Krafft von Dellmensingen – weist einen goldenen Schrägbalken mit Arabesken auf rotem Grund auf. Die beiden in Gold gemalten Inschriften sowie das Entstehungsjahr sind trotz des leichten Abriebs noch deutlich lesbar: „MARTIN SCHLUMPFF” (unten), „GOT ALLEIN DIE EHR 1588” (oben). Ober- und unterhalb der Wappendarstellungen umläuft ein von weißen Punktreihen eingefasster breiter Goldstreifen (teilweise abgerieben) mit eingravierten Schuppen und farbigen Punkten das Glas. Das 2009 von Dr. Eduard und Gisela Hiller aus Holzkirchen angekaufte Wappenglas stellt eine wesentliche Bereicherung der qualitätvollen Gläsersammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum dar.