Tarock-Kartenspiel Industrie und Glück  

Tarock-Kartenspiel Industrie und Glück

 

Tarock-Kartenspiel „Industrie und Glück“, um 1895
Herausgegeben von Josef Fasser, Innsbruck
Flachdruck, schablonenkoloriert, Rückseite: Rankenmuster rot-schwarz-weiß, Doppelbild, französische Farben, 52 von 54 Blatt.

Historische Sammlungen,

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Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich das – ursprünglich aus Italien stammende – Tarockspiel zu einem beliebten europäischen Kartenspiel. Das italienische Blatt mit Schwertern, Kelchen, Münzen und Stäben wurde vom französischen mit Kreuz, Pik, Herz und Karo abgelöst. Das Spiel besteht aus den Bildkarten König, Dame, Reiter und Bube sowie den sogenannten „Tarocken“ (Trumpfkarten), die mit römischen bzw. arabischen Zahlen von 1 bis 21 durchnummeriert sind. Der „Skys“ oder auch „Sküs“, meist ein Harlekin oder Hanswurst, dessen Name sich vom französischen „Excusez“ – „Entschuldigen Sie“ – herleitet, stellt die 22. Trumpfkarte dar. Die Zahlenkarten As bis 10 wurden später oft reduziert, sodass die schwarzen Farben Kreuz und Pik nur mit den Karten 10 bis 7 und die roten Farben Herz und Karo nur mit 4 bis As vertreten waren. Ein komplettes Spiel konnte also anstatt aus 78 auch aus 54 Blatt bestehen. Die Tarocke boten die Möglichkeit, verschiedenste Themen mithilfe der 21 auswechselbaren Motive darzustellen.

 

So entstanden Kartenspiele mit Tier- und Jagddarstellungen, aber auch solche mit mythologischen, politischen, literarischen oder karikierenden Inhalten. In Alt-Tirol wurden neben dem bekannten Tarockspiel mit Darstellungen militärischer Ereignisse der Koalitionskriege 1796/97 und 1799/1801 vor allem Tier- und Jagdtarockkarten hergestellt. In Wien war bereits in den 1820er-Jahren die Kartenserie „Industrie und Glück“ (im Sinne von „Fleiß und Glück“), entstanden, die in verschiedenen Versionen unterschiedliche folkloristische Szenen aus dem Vielvölkerstaat der österreichisch-ungarischen Monarchie und Szenen aus der Märchenwelt des Fernen Ostens zeigte. Dieses Motto „Industrie und Glück“ wurde auf Tarock II in einen Stein, auf dem der kaiserliche Adler sitzt, eingemeißelt dargestellt. In Tirol produzierte man diese Tarockkarten jedoch erst ab ca. 1880. So erzeugte der Innsbrucker Kartenmacher Josef Fasser um 1895 Spielkarten nach dem Vorbild des bereits 1860 entstandenen Typ 5, welcher neben einem Tiroler Paar auf Tarock V auch die Darstellung eines Tiroler Tuchhändlers vor der Wiener Hofburg und dem Erzherzog-Karl-Denkmal auf der Tarock II zeigt. Das Tarock-Kartenspiel wurde dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 2006 von Frau Elisabeth Egger aus Innsbruck geschenkt.

 

Sporer-Heis, Claudia: Tarock-Kartenspiel „Industrie und Glück“; in: ferdinandea 34, November 2015  bis Jänner 2016, S. 6