Vomp Grab 29; zierbuckelverierter Gürtel  

Vomp Grab 29; zierbuckelverierter Gürtel

 

Gürtel mit Zierbuckelbesatz, Gürtelhaken, Vasenkopfnadeln, lanzettförmiger Anhänger, Griffelangelmesser, Bronze
Tasse, gebrannter Ton

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 19.230/29

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Ein Forschungsprojekt der Vor- und Frühgeschichtlichen und Provinzialrömischen Sammlungen des Ferdinandeums gilt seit Juli 2005 dem spätbronzezeitlichen Brandgräberfeld Fiechter Au. Es erstreckt sich östlich des Ortskerns von Vomp am Fuß der Hochterrasse mit dem Kloster und Ortsteil Fiecht. 1989 anlässlich der Verlegung der Erdgasrohrleitung am Böschungsfuß der Inntalautobahn entdeckt, gebot im Frühjahr 2005 begonnene Vewrbauung unverzüglich eine archäologische Intervention zur Rettung der Nekropole. In den seitdem bis auf die Wintermonate ganzjährig geführten Grabungskampagnen wurden bis Grabungsende 2016 ingesamt 511 Grabkomplexe (Steinkisten- und Urnengräber, selten Brandschüttungsgräber) seit 2005 erfasst werden.

 

Am Spiegel des Lebens vermitteln die Steinkisten- und Urnengräber den erwornenen Wohlstand, damit verbunden auch den sozialen Status einer in wirtschaftlichem Bezug zu den Kupfererzlagerstätten südlich des Inns im Großraum Schwaz stehenden Gesellschaft. Als Indikatoren hierfür gelten etwa HAndels- und Prestigegüter wie Bernstein und goldblechverzeirter Bronzeschmuck oder die Doppelausstattung von bronzenem Trachtschmuck.

 

Die Beigaben von Grab 29, die in einer Steinkiste eingebrachte Brandbestattung einer Frau dürften dem gehobenen Status entsprechen: Eine Schale, ein Henkeltöpfchen une eine TAsse aus gebranntem Ton könnten zur Grablegung Speise- und Trankbeigaben beinhaltet haben, beim bronzenen Griffangelmesser lag der Tierknochen einer Fleischbeigabe. Zwei Vasenkopfnadeln und ein Lanzettanhänger aus Bronze warren Trachtschmuck.

 

Von Besonderheit aufgrund des Erahltungszustandes ist der mindestens 4,4 cm breite Gürtel mit Bronzebuckelzier. Wo dieser auf der mit Steinplatten ausgelegten Grabsohle auflag, konnte er en bloc geborgen werden. Drei große in Gürtelbreite verlaufende Zierbuckel trennen jeweils die Zonen mit sieben bzw. acht horizontal, vertikal in der Gürtelbreite in sechs Reihen verlaufenden kleinen Zierbuckeln. An einem Ende erlaubten von zweireihig fixierten kleinen Zierbuckeln beidseitig begleitete U-förmige Bronzeschlaufen - in diese wurde der bronzene Scheibengürtelhaken eingehängt - den Gürtel der Taillenweite anzupassen.

 

Die archäologischen Untersuchungen wurden 2017 nicht fortgesetzt: Entsprechend dem Entscheid des Bundesdenkmalamtes in Absprache mit dem Grundeigentümer Tiroler Bodenfonds bleibt der unerforschte Bereich der Nekropole auf der am Böschungsfuß der Inntal-Autobahn A12 gelegenen Parz. 3235/1 weiterhin unter Schutz gestellt. Um dieses ca. 2.300 m2 große Areal einer wirtschaftlichen Nutzung z. B. als Park-/Lagerplatz zuführen zu können, wird es gemäß den Vorgaben des Denkmalamtes überschüttet werden. Dass sich die Nekropole auch auf diesem Gebiet erstreckt, ergibt sich nicht nur durch die Forschungen in den vergangenen Jahren. Anlässlich der von der Firma Skava Consulting ZT GmbH Innsbruck im April 2015 im Beisein von Mag. Johannes Pöll, Bundesdenkmalamt, Abteilung Archäologie Tirol, durchgeführten Bodensondierung als Grundlage für den amtlichen Bescheid hinsichtlich der zu treffenden Maßnahmen im Rahmen einer Überschüttung wurde ein weiterer Grabbau lokalisiert. Bei einer allfälligen „Untersuchung durch künftige Generationen“ werden in diesem Gebiet überwiegend Steinkisten freizulegen sein.

 

Die Rettungsgrabung wurde ausschließlich von der Tiroler Landesmuseen-Betriebsges. m.b.H. finanziert. Bürgermeister Karl-Josef Schubert, Gemeinde Vomp, stellte wiederum entgegenkommend den über all die Jahres sehr hilfreichen gemeindeeigenen Baucontainer als Grabungsbüro kostenfrei zur Verfügung.

 

Die Funde gelangten in das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum und werden in der Restaurierungswerkstätte der Vor- und Frühgeschichtlichen und Provinzialrömischen Sammlungen restauriert.

 

siehe: Jahresberichte des Vereins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 2005-2016