Stockuhr, um 1760/80  

Stockuhr, um 1760/80

 

Peter Hochegger (Hochögger) (Matrei am Brenner 1709-1786 Innsbruck)
Gehäuse aus gebeiztem Nussholz über rechteckigem Grundriss, an den Kanten abgeschrägt, geschweifter Giebel, vorne Glastürchen mit Messinggriff, seitlich schmale hohe Fensterchen, an der Rückseite nach oben verschiebbarer Holzdeckel (erneuert); 17 x 33,5 cm, Höhe 58,5 cm
Vorderseite aus Kupferblech gepresst, versilbert, mit Rocaille-Ornamenten, Zifferblatt aus Kupferblech mit römischen Zahlen, Zeiger aus Messing
Uhrwerk intakt, Spindelgang und Viertelschlag, 2 Schlagglocken und Kurzpendel, Rückseite aus Messing, graviert mit Ornamenten und Signatur "Peter Hochegger"

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Uhren 225

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Ganz allgemein erlebte die Uhrmacherkunst bzw. das Handwerk der Uhrmacher im 18. Jahrhundert eine Blütezeit, was sich aus wesentlichen technischen Verbesserungen des Uhrwerks in den vorher gehenden Jahrzehnten erklären lässt. Vor allem über das Ausbildungszentrum Friedberg bei Augsburg wurden diese neuen Erkenntnisse gefördert (Egg, 79f).

 

Es stärkte sicherlich das einheimische Handwerk, wenn in Tirol die Uhr- und Büchsenmacher mit 3. Jänner 1706 eine eigene Zunft bildeten, indem sie sich von den Schlossern absonderten. Auf einen Beschluss der Zunft hin musste ab 1715 ein Meisterstück abgelegt werden, was zur Verbesserung des Niveaus dieses Handwerks beigetragen hat. Insgesamt war die Organisation nicht sehr groß, letztlich war es doch nur eine kleine Zahl von Uhrmachermeistern, die in Innsbruck arbeiteten. Im ganzen 18. Jahrhundert waren hier gleichzeitig nie mehr als zwei, höchstens drei Meister ansässig (Egg, 80).

 

Ab 1750 nahm die Zahl der Uhrmachermeister in Innsbruck etwas zu (Innsbrucker Barock, 77f, 209-212), da unter Maria Theresia und Kaiser Joseph II. der immer wieder hemmende Einfluss der Zünfte eingeschränkt wurde. - Zu den wichtigsten einheimischen Uhrmachermeistern der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zählt Peter Hochegger, gebürtig aus Matrei am Brenner (Egg, 96 und Abb. 40-42). Im Jahr 1733 war er - von Wien gesandt - in das Gesellenbuch in Hall eingeschrieben worden, muss für einige Zeit in Trient gearbeitet haben (Mühe/Vogel, Abb. 49) und war später in Brixen als Großuhrmachermeister tätig. Nachdem er die Zusage erhalten hatte, sich in Wilten, das damals nicht zur Stadt Innsbruck gehörte, niederlassen zu können, übersiedelte er in das nördliche Tirol. 1756 suchte er um Aufnahme in die Stadt Innsbruck an, wurde aber abgewiesen. Er muss sehr erfolgreich gewirkt haben, da sich 1765 die Innsbrucker Zunft in neidvoller Weise beschwerte, dass er sie schädige. Ausgestattet mit obrigkeitlicher Machtfülle, ordnete im folgenden Jahr die in Innsbruck eingesetzte Regierungsbehörde, das Gubernium, an, Hochegger sei sofort in Innsbruck als Inwohner aufzunehmen. Er starb im Alter von 77 Jahren am 28. März 1786.

 

Eine wertvolle Bereicherung erhielt die Uhrensammlung des Ferdinandeums durch eine letztwillige Verfügung des Amtsführenden Stadtrates a. D. Dr. Hermann Knoll (1920-2002), der aus seinem Bestand dem Landesmuseum (Attlmayr, 40-64) eine Stockuhr von Peter Hochegger vermachte (Schriftverkehr Zl. Z 18/02). Hermann Knoll gehörte von 1979 bis zu seinem Ableben dem Verwaltungsausschuss des Ferdinandeums an, fühlte sich mit dieser traditionsreichen Institution eng verbunden und hat mit seinen Möglichkeiten immer die Anliegen des Museums unterstützt.


Stockuhr, Signatur Peter Hocheggers
Historische Sammlungen, Uhren 225



Literatur
"Buch der eingeschriebenen Stadt Meyster und Geymeister in Landt Tiroll" (Meisterbuch der Büchsen- und Uhrmacher), TLMF, FB 19.195. - Ernst Attlmayr, Die Sammlung historischer Uhren im Tiroler Landeskundlichen Museum, in: Beiträge zur Technikgeschichte Tirols 6 (1975) 40-84. - Erich Egg / Wolfgang Pfaundler / Meinrad Pizzinini, Von allerley Werkleuten und Gewerben. Eine Bildgeschichte der Tiroler Wirtschaft (Innsbruck-Wien-München 1976) 92f. - Barock in Innsbruck, Katalog der Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zum Jubiläum 800 Jahre Innsbruck (Innsbruck 1980). - Erich Egg, Das Handwerk der Uhr- und Büchsenmacher in Tirol (Tiroler Wirtschaftsstudien 36, Innsbruck 1982). - Richard Mühe / Horand M. Vogel, Alte Uhren. Ein Handbuch europäischer Tischuhren, Wanduhren und Bodenstanduhren (München 1991).

 

Meinrad Pizzinini