Körbchenohrring  

Körbchenohrring

 

6. Jahrhundert n. Chr.
Imst, Dr. K. Pfeiffenbergerstr. 22, Grab 12
Bronze, Einlage aus Glaspaste

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 19.108/4+8

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Nach dem Abzug des römischen Militärs aus den ehemals von den Römern besiedelten Gebieten verblieben ab dem 5. Jh. n. Chr. nur mehr Romanen im Lande. Von dieser Bevölkerung lassen sich im archäologischen Fundgut neben den frühchristlichen Kirchen als unmittelbare Quelle nur Gräberfelder anführen, die bei Überprüfung und Analyse des Grabbrauchs, des Grabbaus und der Tracht Gruppen erkennen lassen, die sich bestimmten Bevölkerungsteilen zuweisen lassen. Im Jahr 2000 konnten in einer Rettungsgrabung vom Ferdinandeum Teile eines - aufgrund der Trachtbeigabe - romanischen Gräberfeldes in Imst erforscht werden (JB 2000, Xf und LXIII), wobei 13 Bestattungen in 12 Gräbern festgestellt wurden. Teile der Bestattungen waren durch die Bautätigkeit schon zerstört. Bei zwei der vier W-O-gerichteten und bei einer der acht N-S-gerichteten Skelettbestattungen, die in einfachen Erdgruben gebetet waren, konnten Beigaben geborgen werden. Naturwissenschaftliche Untersuchungen datieren die Grablegen ins 5./6. Jh. n. Chr., womit auch ein unmittelbarer Bezug zur frühchristlichen Kirche in der Laurentiuskirche am Kalvarienberg, welche ca. 900 m nördlich des aufgedeckten Gräberfeldes liegt, gegeben ist.

 

An Beigaben wurden den Verstorbenen ein eiserner Fingerring (Grab 1), zwei bronzene Körbchenohrringe (Grab 12 und nördliche Bestattung von Grab 13) sowie acht Bronzeringlein des Haarschmucks (nördliche Bestattung von Grab 13) mitgegeben. Der besonders gut erhaltene Körbchenohrring vom Typ Allach stammt aus dem linken Ohrbereich von Grab 12, in dem ein junges Mädchen lag. Das hohle Körbchen ist sechsfach gefaltet, als Aufsatz dient ein rundes Bronzeblech, welches eine dunkelviolette Glaspaste fasst. Der kreisrund geformte Tragreif mit Schleife ist an einer Seite offen, sodass es möglich war, den Buntmetallring in das Ohr einzuhängen.

 

Das Ferdinandeum besitzt eine kleine Reihe von frühmittelalterlichen Körbchenohrringen, von denen das in byzantinischer Tradition stehende goldene Ohrringpaar aus Vervò durch seine Eleganz, die Feinheit der Verarbeitung sowie die perfekte Granulation besticht. Ein leider verschollener goldener Körbchenohrring aus Matrei sowie ein silbernes Ohrringpaar aus Igls sind die einzigen bekannt gewordenen Parallelen aus Nordtirol, sie sind jedoch anderen ethnischen Gruppen zuzuweisen.


Paar Körbchenohrringe, Gold, Vervò, 1. H. 7. Jh. n. Chr.
Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.Nr. U 7.807 und 7.808



Literatur
Literatur: Anton Höck, Ein frühmittelalterliches Gräberfeld in Imst, in: Josef Zeisler/Gerhard Tomedi (Hgg.), Archäologische Forschungen in Ampass - Grabungsberichte aus Tirol. Archaeo Tirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 110-111. - Anton Höck, Imst, in: Fundberichte aus Österreich 39 (2000) 51-52.

 

Anton Höck