Violine, Vils 1806  

Violine, Vils 1806

 

Dominikus Rief (Vils 1759-1814 Vils)

Musiksammlung, Inv.-Nr. 352

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Das Außerferner Kleinstädtchen Vils prägte den Geigenbau in Tirol über mehrere Jahrhunderte. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Füssen, einem Zentrum des Instrumentenbaus von internationalem Rang, hatte sich auch in Vils nach dem Dreißigjährigen Krieg dieses Kunsthandwerk überaus erfolgreich etablieren können. Vilser Geigenbauer praktizierten ihr Geschick und ihre Kunstfertigkeit nicht nur in ihrer Heimat, die ihnen aufgrund ihrer Vielzahl kein entsprechendes Auslagen sichern konnte, sondern errichteten Werkstätten nahezu über ganz Europa verbreitet, von Neapel bis Den Haag und von Nürnberg bis Prag und Budapest. Als ältester Name eines Lauten- oder Geigenmachers in Vils ist jener Franz Wörles überliefert, der um 1590 geboren wurde und seit 1620 in Padua wirkte. Weitere berühmte Vilser Geschlechter, die den Instrumentenbau zumeist über mehrere Generationen betrieben, sind die Familien Strobl, Posch, Eberle, Aman und Schonger. Sie alle waren zumindest zeitweise überregional tätig. In Vils selbst lag der Geigenbau fast über zwei Jahrhunderte in Händen der Familien Petz und Rief. Sie konnten in ihrer Heimat ihr Auslangen finden, weil sie neben ihrem Handwerk auch ein Bauerngut bewirtschafteten. Alle Geigenmacher der Familie Rief sind in Vils geboren und dort auch verstorben. Ihr Stammvater ist Anton Rief (1694-1766). Sein Enkel Dominikus Rief wird als der beste Geigenmacher der Familie und sogar von Vils gerühmt. Neben Gelegenheitsarbeiten für die Kundschaft aus näherer Umgebung, für Musikanten und Kirchenchöre, deren Ansprüchen die weniger kunstvoll gearbeiteten, dafür aber preisgünstigeren Instrumente gerecht wurden, hat Dominikus Rief auch Geigen gebaut, die er bewusst als Zeugnisse seines beachtlichen Könnens mit entsprechender Sorgfalt hergestellt hat. Dazu gehört sicherlich die formschöne und überaus klangvolle Violine aus dem Jahr 1806, die auch schon bei Konzerten des Ferdinandeums bewundert werden konnte.


Literatur
Richard Bletschacher, Die Lauten- und Geigenmacher des Füssener Landes (Hofheim am Taunus 1978). - Hildegard Herrmann-Schneider, Die Lauten- und Geigenmacher vom Außerfern - Meister der Geigenbaukunst in Europa. In: Künstler, Händler, Handwerker. Tiroler Schwaben in Europa. Katalog Tiroler Landesausstellung Reutte 1989 (Innsbruck 1989) 358-399.

 

Manfred Schneider