Tisch und Stühle für die documenta X, 1997  

Tisch und Stühle für die documenta X, 1997

 

Tisch: Heimo Zobernig (Mauthen 1958 - lebt in Wien)
Formstahl, Spiegel, 74 x 74 x 74 cm
4 Stühle: Franz West (Wien 1947 - lebt in Wien)
Rundeisen, Stoff, je 44 x 46 x 85 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. P 2220, Inv.Nr. P 2221/1-4

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Heimo Zobernig und Franz West zählen zu den international anerkannten Künstlern der mittleren Generation in Österreich. Zobernig ist seit den 80er Jahren in der österreichischen Kunstszene in Erscheinung getreten. Bekannt ist er vor allem seiner Installationen wegen, in denen er mit der Raum- und Objekterfahrung arbeitet. In die Installation eingebrachte Elemente (Böden, Bänke, Sockel, Wände, Spiegel usw. ) werden auf unentscheidbar ambivalente Weise zwischen Gebrauchs- und Kunstgegenstand, zwischen einer Repräsentation und der Sache selbst in der Schwebe und damit für den Betrachter als doppelwendige Erfahrung offen gehalten. Seine Arbeiten, in die er oftmals mehrere Medien oder Spielarten künstlerischen Schaffens (Malerei, Skulptur, Grafik, Video, Design, Architektur) einbringt, entziehen sich damit einer eindeutigen Leseart.

 

Franz West, der stark vom Wiener Aktionismus geprägt ist, hat mit seinem Schaffen erst relativ spät öffentliche Anerkennung gefunden. Sein künstlerisches Engagement findet in einer Vielzahl von Medien Ausdruck, vom Mobiliar bis zum Videofilm oder zu Texten philosophischen oder sprachwissenschaftlichen Inhalts. Aufgrund seiner Vorliebe für archaische Kulturen kultiviert der Künstler in seinen Arbeiten eine primitive Technik. Dies zeigt sich in seinen "tragbaren" Skulpturen ebenso wie in seinen "Lemurenköpfen" oder "amorphen" Skulpturen, die von der afrikanischen Kultur inspiriert sind. Zu seinem Oeuvre gehören aber auch Objekte, wie zum Beispiel seine aus verschiedenen Stahlelementen zusammengeschweißten Liegen, die er oftmals in eine "performative" Situation stellt.

 

Anlässlich der documenta X hat sich Heimo Zobernig die Situation eines Symposiums zum Thema gewählt. Dabei hat er für die documenta-Halle eine plastische wie funktionale Arbeit konzipiert, die den riesigen Raum in mehrere Funktionsräume (Raum für Vorträge, Debatten und Performances, Aufnahmestudio, Buchhandlung) unterteilte, ohne jedoch als Architektur zu wirken. Dabei arbeitete er mit Franz West zusammen, der in dem von ihm gestalteten Raum Stühle verteilte, die wie plastische Elemente wirkten und zugleich als Sitzgelegenheiten für die in der Halle stattgefundenen Aktivitäten dienten. Als Stoffmuster für seine Stühle verwendete West ornamentale Motive aus dem Senegal. Nach der documenta X kam eine beschränkte Anzahl des Inventars von Heimo Zobernig und Franz West in den Kunsthandel.


Günther Dankl