Italienische Landschaft mit Ruine und Kirche, um 1645  

Italienische Landschaft mit Ruine und Kirche, um 1645

 

Jan Both (Utrecht um 1618-1652 Utrecht)
Holz, 40 x 53,4 cm
bez. Mi. li. u.: Both

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 3974

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Jan Both lernte zunächst bei seinem Vater, der Glasmaler war, später bei dem Maler Abraham Bloemaert in Utrecht, der auch seinen Bruder Andries unterrichtete. Die Brüder reisten gemeinsam über Frankreich nach Italien. In Rom wurde Jan Both zum Maler, Zeichner und Radierer von italienischen Landschaftsmotiven und Genreszenen. Er bevorzugte besonders das Motiv weiter Talsenken und baute viele realistische Details ein, etwa italienische Bauernhäuser, bizarre Ruinen und Staffagefiguren wie Bauern, Mägde und Hirten mit Mauleseln oder Vieh. Besonders eindrucksvoll sind Boths malerische Darstellungen eines warmen, goldtonigen Lichtes sowie von Landschaftsmotiven im Gegenlicht. Auch im Innsbrucker Gemälde wird die Szenerie von dem südlichen Licht einer schon tief stehenden Abendsonne bestimmt, die den weiten Horizont rechts im Bild gelb erstrahlen lässt. Duftige, sonnenbeschienene Wolken stehen am zartblauen Himmel; rote und weiße Farbakzente der Staffagegruppe links vorne beleben die hauptsächlich von Ocker-, Gelb- und Grüntönen dominierte Farbwirkung. Weber, Kat.Nr. 70, weist darauf hin, dass der Kirchenbau im Mittelgrund "eine gewisse Ähnlichkeit mit SS. Giovanni e Paolo in Rom besitzt". Nach seiner Rückkehr nach Holland beeinflusste Jan Both mit seiner besonderen Art von italianisierenden Landschaftsbildern und des für ihn typischen warmen Lichttones auch niederländische Künstler, die Italien nie selbst bereist hatten.

 

Für die Niederländergalerie des Ferdinandeums stellt dieses Meisterwerk eine wesentliche Ergänzung und Bereicherung dar, da mit ihm zu der Variante der holländischen und flämischen Landschaftsdarstellung auch jene des italianisierenden Landschaftsbildes dem Besucher präsentiert werden kann.

 

Das Gemälde wurde dem Tiroler Landesmuseum in großzügiger Weise von Herrn und Frau Prof. Ludwig und Hilda Neuhauser 1997 zusammen mit dem Stillleben "Walnüsse schälende Frau" (Inv.Nr. Gem 3975) von der Hand des holländischen Künstlers Jan Weenix (1642-1719) geschenkt. Ludwig Neuhauser war von 1957 bis 1986 als akademischer Restaurator im Ferdinandeum tätig und widmete sich mit besonderer Liebe, großem maltechnischen Wissen und Können wie kunsthistorischem Verständnis der Erhaltung beziehungsweise Restaurierung der Niederländer-Sammlung.


Jan Weenix (1642-1719), Walnüsse schälende Frau, 1661
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. 3975



Literatur
Cornelis Hofstede de Groot, Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten holländischen Maler des 17. Jahrhunderts 9 (Esslingen-Paris 1926) 421ff. - James D. Burke, Jan Both. Paintings, Drawings and Prints (New York-London 1976). - Albert Blankert, Nederlandse 17e Eeuwse Italianiserende Landschapschilders, Katalog Utrecht 1965 (Soest 1978) 112-128. - Renate Trnek, Die holländischen Gemälde des 17. Jahrhunderts in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien (Wien-Köln-Weimar 1992) 83-86. - Die Angaben im Text beziehen sich hauptsächlich auf die Bearbeitung des Gemäldes von Gregor J. M. Weber, in: Bestandskatalog der Niederländer-Sammlung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (in Vorbereitung) Kat.Nr. 70, mit Abb.

 

Eleonore Gürtler