Kettengehänge  

Kettengehänge

 

5./4. Jahrhundert v. Chr.
Wiesing, Buchberg
Bronze, Bein, Glas

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 19.022

Bild vergrößern ...

 


1996 erwarb das Ferdinandeum durch Vermittlung von Ludwig Wamser, Direktor der Prähistorischen Staatssammlung München, ein von einem Geländegänger in einer Felsspalte über dem nördlichen Steilhang des Buchberges bei Wiesing im Unterinntal entdecktes jüngereisenzeitliches Bronzedepot, bestehend aus zwei Blechgürteln, einem Kettengehänge und einer damit umwickelten Fibel vom Mittellatèneschema ( JB 1996, LXIIIf).

 

Wirkte einer der Blechgürtel bei seiner Bergung nahezu "werkstattfrisch", war der zweite aus vier unterschiedlich langen Bruchstücken dreier verschiedener Gürtel zusammengesetzt und stark abgenutzt.

 

Das aus 11 größtenteils doppelgliedrigen Kettensträngen zusammengesetzte und an mehreren Stellen antik geflickte Gehänge zieren 28 erhaltene Schmuck- bzw. Klapperanhänger mit magisch-mythischem Symbolgehalt, davon 18 Scheibenanhänger mit Klapperblechen und ein weiterer ohne Klapperbleche, 4 dreieckige und 2 trapezoide Anhänger, je 1 Bären- und Eberzahnanhänger sowie eine gläserne Noppenperle. Die von Ludwig Wamser durchgeführten typologischen und verzierungstechnischen Untersuchungen der Blechanhänger lassen schließen, dass sie offensichtlich nicht in einem einzigen Arbeitsgang, sondern in vermutlich mehreren Werkstätten der näheren Umgebung hergestellt worden waren, aber "das Applizieren der verschiedenen Anhänger ... an einem einzigen, hierfür eigens angefertigten, gemeinsamen' Kettengehänge erfolgte" (Wamser). Ludwig Wamser schlägt eine Deutung des mit magischen Schutz- und Heilszeichen versehenen Gehänges als Zeremonialbehang einer Pferdeschirrung vor.

 

Als mögliche Stätte der Verwahrung des Gehänges, der Blechgürtel und der Fibel vor ihrer Deponierung in der Felsspalte kaum vor dem mittleren Drittel des 2. Jahrhunderts würde sich das von Wilhelm Sydow ergrabene, teilweise überdachte Trockenmauergeviert mit mehrperiodiger Abschnittsbefestigung auf der Kuppe des Buchberges anbieten (Wamser 1997; Wamser 2002).


Fibel im Mittellatèneschema, Bronze, Wiesing-Buchberg, 2. Jh. v. Chr.
Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.Nr. U 19.022



Literatur
Ludwig Wamser, Ein Felsspalten-Depositum der Fritzens-Sanzeno-Kultur vom Buchberg im Tiroler Inntal (OG Wiesing). In: Kult der Vorzeit in den Alpen. Opfergaben - Opferplätze - Opferbrauchtum, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1997 (Innsbruck 1997) 28-31. - Ludwig Wamser, Ein Felsspalten-Depositum der Fritzens-Sanzeno-Kultur vom Buchberg im Tiroler Inntal (OG Wiesing). In: Liselotte Zemmer-Plank (Hg.), Kult der Vorzeit in den Alpen. Opfergaben - Opferplätze - Opferbrauchtum. Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer, Kommission I/Kultur und Gesellschaft (Bozen 2002) 985-1041.

 

Wolfgang Sölder