Widmung an Maria Theresia, um 1740/45  

Widmung an Maria Theresia, um 1740/45

 

Nikolaus Moll (Blumenegg bei Bludenz 1676-1754 Innsbruck)
Holz, H 80 cm, vergoldet und gefasst, Porträtrelief in Elfenbein, H 14 cm, bez. am linken Armansatz: Moll; rücks. Inschrift mit in Bein geschnittenen Buchstaben: MARIA THERESIA / D.G. HV. BO. REG. / ARCHID. AVST. / DVX. BVRG. / COM. TYR.

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. P 2211

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Im dekorativ und figural geschnitzten Rahmenaufsatz ist ein in Elfenbein geschnittenes Porträt von Maria Theresia eingebunden, das vom Tiroler Adler getragen wird. Auf der Rückseite der Marmorplatte wird Maria Theresia nicht als Kaiserin, sondern als Königin von Ungarn und Böhmen, Prinzessin von Burgund und als Gräfin von Tirol tituliert. Erst mit der Wahl und Krönung ihres Gemahls, Franz von Lothringen, zum römisch-deutschen Kaiser im September 1745 wird Maria Theresia Mitregentin. Auf dem Rahmenaufsatz ist unter dem posaunenblasenden Putto und Waffentrophäen die Königskrone zwischen zwei Schwertern montiert. Auf den wappengezierten Konsolen sitzen zwei Haiduken (Gardisten zu jener Zeit, als Maria Theresia als Königin von Ungarn bezeichnet wird) mit geschwungenen Schwertern. Das Wappen links ist jenes von Alt- und Neu-Ungarn, das rechte zeigt das Wappen von Böhmen, Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz sowie im Herzschild die Wappen Österreichs und Kastiliens.

 

Königskrone und Inschrift verweisen die Entstehung zwischen Regierungsantritt 1740 und Kaiserkrönung Franz von Lothringens 1745. Der Tiroler Adler unter der Büste und die Nennung als Gräfin von Tirol dürften ein Hinweis auf die Beziehung dieses Werkes zu Tirol sein. Vielleicht war es eine Widmung anlässlich der Huldigung an Maria Theresia.

 

Das Elfenbeinrelief und der prachtvoll geschnitzte Rahmenaufsatz sind Werke von Nikolaus Moll, der seit 1708 als Bildschnitzer in Innsbruck unter anderem für den Hof und die Tiroler Landstände tätig war. Zu seinen Hauptwerken zählen die Kanzel des St.-Jakob-Domes (1723/24) und die Statuen der Landesfürsten im Landhaussaal (1730/32). Es wurde auch die Frage erörtert, ob das Elfenbeinrelief von seinem Sohn Balthasar Ferdinand Moll (1717-1785) geschaffen sein könnte, zumal zwei Porträtbronzereliefs von 1739 und 1740 erhalten sind, die er vor Abschluss seiner Studien 1745 in der Werkstatt von Georg Raphael Donner gefertigt hatte. Die beiden Reliefs in der Österreichischen Galerie tragen die Bezeichnung "Raphael Doner fecit" und verweisen wohl deutlich darauf, dass B. F. Moll nicht als selbständiger Künstler diese Werke schuf. Die Beziehung des Elfenbeinreliefs zu Tirol und die Signatur belegen somit wohl eindeutig die Autorschaft von Nikolaus Moll.

 

Das Werk konnte 1995 bei Sotheby's in London mit Hilfe des Landes Tirol, der Tiroler Sparkasse, der Wirtschaftskammer Tirol und Spenden erworben werden. Damit gelang die Rückführung eines für die Geschichte und die Kunst Tirols bedeutsamen Kunstwerks.


Literatur
Hans Trapp, Memorial auf Maria Theresia. In: Maria Theresia und Tirol, Katalog Hofburg Innsbruck 1958 (Innsbruck 1958) 27f, Kat.Nr. 32. - Maria Theresia und ihre Zeit, Katalog Schloß Schönbrunn Wien 1980 (Wien 1980) 73f, Kat.Nr. 08.05. - Eugen von Philippovich, Elfenbein (München 1982) 251-254. - European Sculpture and Works of Art. Sotheby's (London 1995) Kat.Nr. 153.

 

Gert Ammann