Goldmünzschatz  

Goldmünzschatz

 

verborgen im letzten Drittel des 6. Jahrhunderts n. Chr.
Aldrans
Gold

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 18.927/1-86

Leihgabe Land Tirol

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Im Spätsommer 1991 entdeckte ein Spaziergänger in unwegsamem Gelände einen aus 86 Goldmünzen bestehenden Münzschatz. Für die Vollständigkeit des geborgenen Schatzes spricht die runde Summe von 100 Tremisses (7 Solidi (Sollgewicht 4,5 g) = 21 Tremisses + 79 Tremisses (Sollgewicht 1,5 g) = 100). Es handelt sich um Prägungen der Kaiser Justinus II. (566-578), Tiberius II. (574-582) und Mauricius (582-602), wovon 40 Stücke aus kaiserlich-byzantinischen Münzstätten stammen (10 aus Konstantinopel, 1 aus Thessalonica, 26 aus Rom, 3 aus Ravenna). 46 Stücke der Goldmünzen sind langobardische Imitativprägungen - nach byzantinischen Vorbildern in langobardischen (Herzogs- ?)Städten geschlagene Münzen -, die großteils in numismatischen Fachkreisen unbekannt waren. Drei Stücke davon können einer bekannten Münzgruppe zugewiesen werden, die in die Königsstadt Ticinum/Pavia weisen. Die imitativen Prägungen der Langobarden benutzten verschiedene im Umlauf befindliche Vorbilder. Bei den imitativen Stücken lassen sich sechs verschiedene Stilgruppen unterscheiden, die zwar ihre Vorbilder noch erkennen lassen, jedoch durch eigenwillige Bildinterpretation auffallen. Zahlreiche Stempelidentitäten dieser Gruppen sowie der frische Erhaltungszustand der Münzen lassen vermuten, dass sie aus einer relativ nahegelegenen Münzstätte kommen (Trient ?). Zwischen 570 und 595 residierte am Dos Trento der bei Paulus Diaconus wohlbekannte Herzog Edvin. Da er in den Kämpfen der Langobarden gegen die Franken und deren Hilfsvölker eine große Rolle spielte und nach dem großen Frankeneinfall von 590 eine höhere Lösegeldsumme aufbringen musste, hängt der Fund von Aldrans vermutlich mit diesem historischen Datum zusammen: In Nordtirol konnte dann dieser Komplex entweder als aufgeteiltes Beutegut oder als Lösegeldsumme von den mit den Franken verbündeten Breonen vergraben bzw. versteckt worden sein.

 

Die Verhandlungen um den Kauf der Münzen wurden noch 1991 durch das Land Tirol in Angriff genommen (MA 1991, 266). Der Kaufvertrag war am 19. Dezember 1991 unterschrieben. Am 22. Jänner 1992 erfolgte die feierliche Übergabe des Ensembles als Dauerleihgabe an das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (MA 1992, 11; JB 1993, LIVf).

 

Beim Aldranser Schatz handelt es sich um den größten bisher bekannt gewordenen Fund von Goldmünzen des ausgehenden 6. Jahrhunderts n. Chr. aus dem Zentralalpengebiet. Besondere Bedeutung erfährt er durch die bisher unbekannt gewesenen Imitativprägungen der Langobarden, welche erst unter König Cunincpert (680-700) ihre eigene Prägung hervorbrachten.


Literatur
Wolfgang Hahn / Andrea Luegmeyer, Der langobardenzeitliche Münzschatzfund von Aldrans in Tirol (Veröffentlichungen des Instituts für Numismatik der Universität Wien I, Wien 1992). - Andrea Luegmeyer, Der langobardenzeitliche Münzschatzfund von Aldrans in Tirol, in: Archäologie Österreichs 3/1 (1992) 50-52. - Wolfgang Hahn, Ein langobardischer Goldmünzschatz aus Tirol, in: Die Münze 3/3 (Wien 1992) 8.

 

Anton Höck