Weidenbohrer  

Weidenbohrer

 

Cossus cossus - Schmetterling mit Raupen, Puppen und Fraßbild an Weiden aus der forstentomologischen Sammlung von Univ.-Prof. Fritz A. Wachtl (Breitau/Mähren 1840-1913 Wien)
Biologisch-entomologischer Schaukasten Nr. 62, forstschädliche Insekten, 51 x 41 cm

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Inv.-Nr. 1987-01

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Die forstentomologische Sammlung Wachtl umfasst insgesamt 120 Schaukästen schädlicher oder nützlicher Insekten einschließlich der Entwicklungszyklen der meisten Arten. Als aufsehenerregendes Schaustück wurde sie bereits im Jahre 1873 anlässlich der Weltausstellung in Wien erstmals präsentiert (Reitter 1913, 187). Der abgebildete Sammlungsschrank belegt die Entwicklung eines Schmetterlings (Weidenbohrer) aus der Familie der Holzbohrer. Die etwa 10 cm langen Raupen können durch Bohrfraß im Holz alter Weiden erheblichen Schaden verursachen. Die nachtaktiven Schmetterlinge weisen etwa 8 cm Flügelspannweite auf und zählen zu den größten mitteleuropäischen Faltern.

 

Fritz A. Wachtl gilt als einer der bedeutenden Forstentomologen Österreichs. Nach dem Besuch der Realschule in Znaim erwarb er sich von 1854 bis 1858 einige Praxis in einem Forstrevier und besuchte anschließend die mährisch-schlesische Forstlehranstalt in Aussee. Ab 1861 als Forstadjunkt tätig, wurde er 1868 zum Förster befördert. Im Folgenden widmete er sich intensivst der Insektenkunde und wurde auf Grund außerordentlicher wissenschaftlicher Leistungen 1876 zum Oberförster ernannt und an die k. k. forstliche Versuchsanstalt berufen. Weitere Beförderungen zum o. Professor der Forstentomologie an die k. k. Hochschule für Bodenkultur sowie zum Hofrat runden das Bild eines enorm fleißigen Beamten ab. In der Fachwelt machte sich Wachtl als Mitherausgeber der Wiener Entomologischen Zeitung und insbesondere durch zahlreiche Abhandlungen über Metamorphosen unterschiedlicher Insektenordnungen sowie einige Neubeschreibungen einen Namen. Teile seiner Sammlung kamen im Jahre 1987 im Rahmen des Neubaues der Universität für Bodenkultur als Legat des Institutes für Forstentomologie an das Ferdinandeum (JB 1988, 202).

 

Die weltweit einmalige forstentomologische Sammlung ist ein international bedeutendes Studienobjekt, das von zahllosen forst- und landwirtschaftlich wichtigen Insekten die Entwicklung dokumentiert. Die streng wissenschaftliche und optisch ansprechende Aufstellung würde nach heutigen Maßstäben den Rahmen der Finanzierbarkeit sprengen. Überdies umfasst das dem Tiroler Landesmuseum übergebene Legat nicht weniger als rund 70.000 Exemplare unterschiedlicher Insektenordnungen, teilweise Typen beinhaltend. Dieses Material ist ein reicher Fundus über Insekten vor allem aus Ostösterreich, und einzelne Gruppen werden sukzessive einer Bearbeitung zugeführt (u. a. durch die Universität Brno, durch das Staatliche Museum für Naturkunde, Stuttgart).


Literatur
Edmund Reitter, Fritz A. Wachtl. Ein Nachruf, in: Wiener entomologische Zeitschrift 32 (1913) 187-189. - Pamela Gilbert, A compendium of the biographical literature on deceased entomologists, British Museum (Natural History) (London 1977).

 

Peter Huemer