Münzschatz  

Münzschatz

 

288 n. Chr. verborgen
Navis-Mühlen
Bronze mit Silbersud

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 18.689/1-9; 18.908/1-2; 18.926/1-1741

Leihgabe Land Tirol

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Der zufällig bei Baggerarbeiten im April 1981 auf dem Grundstück des Kamphofbauern Josef Hilber gefundene Münzschatz bestand bei seiner Bearbeitung 1983/1984 aus 1745 Antoninianen (Kellner 1984, 70). Durch spätere Erwerbungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum hat sich die Anzahl der sicher dem Münzschatz zuweisbaren Münzen auf 1756 Exemplare vermehrt, ursprünglich wird er aber sicher größer gewesen sein. Die Bestimmung von 31 privaten Stücken steht noch aus. Das Gefäß, in dem der Schatz ursprünglich verwahrt wurde, ist eine enghalsige Flasche aus dünnem Kupferblech. Das Gefäß ist stark beschädigt und mit antiken Flickungen überzogen (Höhe 24,2 cm, Bodendurchmesser 11,25 cm, Mündungsdurchmesser 4,5 cm). Bei den Antoninianen handelt es sich um Prägungen der Kaiser und Kaiserinnen Claudius II. (268/270), Aurelianus (270/275), Severina (274/275), Tacitus (275/276), Florianus (276), Probus (276/282), Carus (282/283), Carinus Caesar (282), Numerianus Caesar (282), Numerianus (283), Carinus (284/285), Divus Numerianus (284/285), Magnia Urbica (284/285), Julianus II. (284, in Pannonien), Diocletianus (284/305) und Maximianus I. (286/305). Neben der engen chronologischen Verteilung (268/270 bis 288 n. Chr.) fällt bei diesem Münzschatz der hohe Anteil der Prägungen unter Probus (über 80%) sowie der hohe Bestand an Prägungen aus der Münzstätte Ticinum/Pavia (77%) auf. Die Gewichte der Antoniniane unterliegen einer hohen Schwankung (2,31 g bis 6,05 g).

 

Der Großteil des Schatzes wurde 1986 durch das Land Tirol angekauft und dem Landesmuseum als Leihgabe übergeben, die bei den Nachgrabungen zutage gekommenen Münzen gingen direkt in den Besitz des Museums (MA 1986, 19; JB 1993, LIV).

 

Der Münzschatz von Navis gehört zu einer Gruppe von Horten, die durch Alamanneneinfälle 288 n. Chr. in den Boden gekommen sind. Die Münzschätze von Balgach (Kanton Sankt Gallen), Lutzenguetle (Liechtenstein), Malvaglia (Kanton Tessin), La Venèra bei Cerea (Italien), Großberg (Landkreis Regensburg) und München-Lochhausen besitzen ähnliche Zeitstellung. Mit den Münzschätzen von Großberg und München-Lochhausen verbindet den Hort von Navis-Mühlen der hohe Anteil an Geprägen aus der Münzstätte Ticinum sowie die enge Anbindung an wichtige Römerstraßen. Der an der Brennerstrecke versteckte Münzschatz war offenbar für Besoldungsgelder für eines der Kastelle an der Brennerstraße (eventuell Innsbruck-Wilten [Veldidena] oder Zirl, Martinsbühel [Teriolis]) vorgesehen, ehe er in den Boden kam und damit der Nachwelt erhalten blieb.


Literatur
Hans-Jörg Kellner / Liselotte Zemmer-Plank / Elisabeth Kellner, Ein römischer Münzschatz von Navis-Mühlen im Wipptal, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 64 (1984) 57-236. - Hans-Jörg Kellner, Geld, Handel und Verkehr. In: Liselotte Zemmer-Plank (Red.), Veldidena. Römisches Militärlager und Zivilsiedlung. Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1985 (Innsbruck 1985) 85-88. - Josef Krall, Römische Münzhortfunde des Alttiroler Raumes im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Masch. Dipl. (Innsbruck 1997) 3-32.

 

Anton Höck