Festliches Mahl, um 1740  

Festliches Mahl, um 1740

 

Johann Georg Plazer (St. Michael in Eppan 1704-1761 ebenda)
Öl auf Kupfer, 53,8 x 77,7 cm
bez. i. d. Mi. u. am Bild "Urteil des Paris", an der Wand im Bildhintergrund: J G Plazer

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 1601

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Johann Georg Plazer erhielt seinen ersten Malunterricht bei seinem Stiefvater Joseph Kössler und seinem Onkel Jakob Christoph Plazer, der fürstbischöflicher Hofmaler in Passau war. Mit 24 Jahren trat er in die Akademie der bildenden Künste in Wien ein. Allegorische und mythologische Darstellungen, christliche Themen sowie Historienbilder finden sich in Plazers Oeuvre, aber vor allem gilt er neben Franz Christoph Janneck (1703-1761) als der bedeutendste Vertreter des Wiener Gesellschaftsstückes zur Zeit des Rokokos. In seinen Bildern schildert er das gesellige Beisammensein beim festlichen Mahl, beim Musizieren, Kartenspielen und Tanzen. Häufig kombiniert er einige dieser Motive, wie in diesem Gemälde. Auffallend ist, dass die Kleidung der dargestellten Personen noch der vergangenen Mode des 17. Jahrhunderts angehört und folglich im historisierenden Stil dargestellt ist. Plazers Gesellschaftsstücke weisen den Einfluss niederländischer, insbesondere flämischer Vorbilder auf, die vorwiegend das wohlhabende Bürgertum zum Inhalt haben; sie entstanden aber auch unter dem Eindruck des französischen höfischen Gesellschaftsbildes - der so genannten "Fêtes galantes" - wie sie Antoine Watteau schuf. Druckgraphische Blätter sorgten für die weite Verbreitung und in der Folge für die Nachahmung dieser besonderen Gattung der Malerei. So geht beispielsweise das Motiv des "Bildes im Bild", wie es die durch zahlreiche Gemälde geschmückte Rückwand des vornehmen Interieurs im Gemälde Johann Georg Plazers zeigt, auf Vorbilder der niederländischen Malerei zurück. Der Künstler übernahm auch die moralisierende Absicht niederländischer Kunstwerke und manche ihrer symbolischen Bildinhalte: Der festlich geschmückte Raum, die prunkvollen Gewänder, die reichgedeckte Tafel und die gefüllten Karaffen im Weinkühler und vollen Gläser sowie das am Boden im Bildvordergrund arrangierte Musikalienstilleben mit Gesichtsmaske, alle diese Motive prangern Prunksucht und Prahlerei an und weisen auf die Vergänglichkeit der Augenblicksfreuden hin. Ebenso bezieht sich das im Bildhintergrund zentral an der Rückwand hängende Gemälde mit der Darstellung des Parisurteils - das auch die Signatur Plazers trägt - thematisch auf die Gefahren der Eitelkeit.

 

Das Gemälde wurde 1984 von Herrn und Frau Prof. Georg und Margarete Haslauer, Salzburg, dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in großzügiger Weise geschenkt und stellt eine wesentliche Bereicherung der Barockgalerie dar (EB 1984, Gemälde Nr. 10; MA 1984/189; 1985/11). Auch die Niederländer-Sammlung des Hauses erfuhr durch wertvolle Schenkungen des Ehepaares Haslauer bedeutende Ergänzungen.


Sebastian Vrancx (1573/78-1647), Aufbruch zu einem Reitergefecht
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1203 (Schenkung G. und M. Haslauer)



Literatur
Gotthard Agath, Johann Georg Plazer. Ein Gesellschaftsmaler des Wiener Rokoko (1704-1761) (Dresden 1955), mit Abbn. - Karl Plunger, Forschungsentwicklung über Johann Georg Plazer, den Künstler aus dem Überetsch (1704-1761), in: Der Schlern 42/8 (1968) 302-306, mit Abbn. - Verena Grabmayr, Zum Werk des Südtiroler Malers Johann Georg Plazer (1704-1761). In: Festschrift Heinz Mackowitz (Lustenau 1985) 95-103, mit Abbn. - Gert Ammann, Drei Gesellschaftsstücke von Johann Georg Plazer im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. In: Festschrift Nicolò Rasmo (Bozen 1986) 269-276, Abb. 1, S. 274. - Eleonore Gürtler, Die Rezeption niederländischer Malerei und Graphik im 18. Jahrhundert. Exemplarisch dargestellt an Werken der Sammlung für Gemälde sowie der Graphischen Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum Innsbruck. In: Bestandskatalog der Niederländer-Sammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum Innsbruck (in Vorbereitung).

 

Eleonore Gürtler