Urne und Beigaben vom Egerndorfer Feld  

Urne und Beigaben vom Egerndorfer Feld

 

um 600 v. Chr.
Wörgl, Egerndorfer Feld, Grab 54
Keramik, Bronze, Eisen

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 18.666

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"Der lebhaft erwachte Sinn für Förderung der Geschichte Tirols" führte 1842 zur Gründung des "Antiquitäten-Vereins" in Wörgl und, veranlasst durch die beim Schottergraben 1838 entdeckten Urnen, zu einer ersten Untersuchung im Brandgräberfeld "Egerndorfer Wald", die, finanziell unterstützt vom Ferdinandeum, im Folgejahr fortgesetzt wurde; die von Franz von Wieser und Erwin Mérey-Kádár veröffentlichten Funde (Wieser; Mérey-Kádár) gelangten ins Museum in Innsbruck (JB 1843, XXXII). Nahezu hundert Jahre später legte Gero von Merhart in den Jahren 1934-1937 91 Gräber frei, Leonhard Franz 1954 neun weitere (Franz; Kneußl).

 

Die systematische Erforschung des überregional bedeutenden hallstatt- und latènezeitlichen Gräberfeldes war ein besonderes Anliegen von ao.Univ.-Prof. Dr. Liselotte Zemmer-Plank, Kustos der Vor- und Frühgeschichtlichen und Provinzialrömischen Sammlungen von 1964 bis 1996. Ihre rege Grabungstätigkeit und die Veröffentlichungen bislang unpublizierter Depotbestände bereicherten die Tiroler Vorgeschichtsforschung nachhaltig. Die beiden Gräber der Sondage des Jahres 1972 und die im mehrjährigen Forschungsprojekt (1981-1996) freigelegten 589 Brandbestattungen (EB und JB 1981-1996) bekräftigen die bereits von Wolfgang Lucke herausgestellte süddeutsche, südostalpine und oberitalische Komponente der als Grabbeigaben oder "Totenschätze" niedergelegten Metallobjekte (Lucke). Die Grabkeramik der älteren Eisenzeit weist sowohl einheimische Machart als auch, z. B. in den kirschrot überfangenen Ossuaren mit graphitiertem Dekor, bayerische Prägung auf. Die vorsätzliche Zerstörung von metallenen Beigaben durch Verbiegen oder Zerbrechen, ihr bewusster Entzug dem profanen Bereich, belegt etwa durch das stark fragmentierte Gürtelblech und Schaukelringpaar aus Grab 54 des Jahres 1981 (weitere Beigaben u. a. Mehrkopfnadel, Spiraltutulusnadel, Armreifen, halbmondförmige Gehängefibel, Brillenfibel und Griffangelmesser), zeigt sich auch in den unabhängig von den Brandgräbern als "Totenschätze" niedergelegten Bronzen (Lucke). Die urnenfelderzeitlichen Funde lassen die Belegungskontinuität von der Spätbronzezeit bis zur Latènezeit des Gräberfeldes, dessen Grenzen noch nicht erfasst sind, annehmen.

 

Das Grabungsprojekt wird seit 2002 durch das Ferdinandeum fortgesetzt.


Literatur
Franz von Wieser, Die Anfänge der Siedlung. In: Paul Weitlaner, Marktgemeinde Wörgl, Festschrift zur Markterhebungsfeier am 14. August 1911 (Wörgl 1911) 5-11. - Wolfgang Lucke, Zu einem Bronzefund mit Situla aus Wörgl, Tirol, in: Germania 22 (1938) 150-157. - Leonhard Franz, Aus Wörgls vor- und frühgeschichtlicher Zeit, in: Wörgler Heimatschriftchen 2 (1951) 5-22. - Erwin Mérey-Kádár, Funde aus dem Gräberfeld "Egerndorfer Wald" bei Wörgl im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, in: Der Schlern 32 (1958) 450-452; 33 (1959) 47-50, 123-136. - Reinelde Kneußl, Studien an hallstättischer Keramik der Gräberfelder Egerndorfer Wald (Wörgl) und Haiming. In: Osmund Menghin (Hg.), Beiträge zur Urgeschichte Tirols (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Sonderheft 29, Innsbruck 1969) 145-235. - JB 1981, 228f, 238; 1982, 203, 208; 1983, 237, 247f; 1985, 140, 145ff; 1986, 163, 166ff; 1988, 195, 215ff; 1991, VIII, XXXVII; 1992, VI, XXXIIIf; 1993 V; XLVff; 1996 Xf, LXff. - Liselotte Zemmer-Plank, Zwei Neufunde aus Tirol, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 70 (1990) 331-346.

 

Wolfgang Sölder