Matterhorn-Bärenspinner  

Matterhorn-Bärenspinner

 

Holoarctia cervini teriolensis - Typenexemplare aus der Schmetterlingssammlung Dr. h. c. Karl Burmann (Innsbruck 1908-1995 Innsbruck)
Sammlungskastenkompartiment mit Schmetterlingen, 11,5 x 9,5 cm

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Inv.-Nr. 1981-01

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Der Matterhorn-Bärenspinner ist ökologisch und biogeographisch eine der interessantesten Schmetterlingsarten der Alpen. Er konnte wahrscheinlich die letzte(n) Eiszeit(en) auf den unvergletscherten höchsten Gipfeln der Inneralpen überdauern und ist auch heute ausschließlich an derartige, unwirtliche Lebensräume gebunden. Karl Burmann hat sich dieser Art eingehend gewidmet und aus Tirol eine eigene Rasse beschrieben (Burmann 1975). Die abgebildeteten Typen bilden die Grundlage für diese Namensgebung. Durch die Arbeiten Burmanns konnte eine völlige Unterschutzstellung des Matterhorn-Bärenspinners erreicht werden.

 

Die Erforschung der Schmetterlinge des Alpenraumes ist untrennbar mit dem Namen Karl Burmann verknüpft. Der Naturliebhaber widmete sich nach dem Abschluss der Bundeoberrealschule in Innsbruck beruflich zwar der Technik und war zuerst bei der Bundespost und nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Innsbrucker Radiofirma tätig. Seine gesamte Freizeit wurde aber für Forschungsfahrten in Tirol und in das benachbarte Ausland sowie in die Umsetzung der Ergebnisse investiert. So entstanden unter Burmanns Autorenschaft nicht weniger als 174 wissenschaftliche Publikationen (Huemer / Tarmann 1995). Beeindruckend ist seine fast vollständige Sammlung alpiner Großschmetterlinge, die in mehreren Teilen als Geschenk an das Ferdinandeum übergeben wurde, darunter auch der Matterhorn-Bärenspinner im Jahre 1981 (JB 1982, 238). Karl Burmann war durch permanenten persönlichen Einsatz entscheidend am Aufbau der Naturwissenschaftlichen Sammlungen des Tiroler Landesmuseums beteiligt, und seine Leistungen wurden u. a. 1976 mit der Franz-von-Wieser-Medaille des Ferdinandeums und 1988 mit dem Ehrendoktorat der Universität Innsbruck gewürdigt (Huemer / Tarmann 1988).

 

Die Schmetterlingssammlung Karl Burmann umfasst rund 80.000 Exemplare, die beinahe ausschließlich aus dem Alpenraum stammen. Sie besticht nicht nur durch phantastische Präparation, sondern auch durch die gewissenhafte Etikettierung jedes Tieres. Zusätzliche Bedeutung erlangt die Sammlung durch zahlreiche Typen teilweise auch von Burmann selbst beschriebener Arten. Sie ist eine einmalige Landesdokumentation für Gesamt-Tirol und stellt als Kernbereich der weltberühmten Schmetterlingssammlungen des Ferdinandeums auch eine permanente Grundlage für die Erforschung der Veränderungen im sensiblen alpinen Naturraum dar.


Literatur
Karl Burmann. Zum Problem endemischer Schmetterlinge der Alpen: Orodemnias cervini (Fallou, 1864), teriolensis n.ssp. (Insecta: Lepidoptera, Arctiidae), in: Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins Innsbruck 62 (1975) 121-130. - Peter Huemer / Gerhard Tarmann, Dr. h. c. Karl Burmann zum 80. Geburtstag, in: Nota lepidopterologica 11 (1988) 193-204. - Peter Huemer / Gerhard Tarmann, In memoriam Dr. h. c. Karl Burmann (31. 12. 1908 - 26. 3. 1995), in: Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen 47 (1995) 119-125. - Wolfgang Schedl, In memoriam Dr. h. c. Karl Burmann (1908-1995), in: Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins Innsbruck 82 (1995) 371-374.

 

Peter Huemer