Französische Standarte, um 1804  

Französische Standarte, um 1804

 

Seide, ca. 82 x 85 cm
quadratisches Feld mit Inschrift: L'EMPEREUR / DES FRANCAIS / AU 2ME: REGIMENT / D'INFANTERIE / DE LIGNE
in den Ecken jeweils "2"
auf (neuer) Fahnenstange: Adler mit gespreizten Flügeln auf Sockel (bez. "2"), Messingguss

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Fahnen 14

Leihgabe der Schützenkompanie Inzing

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Hans Lang, Mitglied der Inzinger Schützen, erbeutete laut Satzungen der Standschützen-Gilde Inzing am 13. April 1809 die Fahne des 2. Französischen Linien-Infanterie-Regiments bei der Kapitulation des Korps Bisson in Wilten, indem er den französischen Fähnrich mit dem Gewehrkolben niederschlug.

 

Am 12. Jänner 1886 wurde die "der Gemeinde Inzing, beziehungsweise der dortigen Schützengilde, in Sonderheit ihrem Fähnrich, dem Nachkommen des Hans Lang, Peter Hendl, gehörende Standarte" dem Ferdinandeum als Leihgabe zur Aufstellung im Patriotischen Saal anvertraut. Das Museum musste sich verpflichten, diese "auf Verlangen der Gemeindevorstehung im Einverständnisse mit der Schützengilde und ihrem Fähnrich" wieder zurückzugeben (MA 1886, 56). Von ihrem Recht, die Fahne zurückzuholen, haben die Inzinger dann auch Gebrauch gemacht. Der genaue Zeitpunkt ist jedoch weder aus den Museumsakten noch aus den Aufzeichnungen der Inzinger Schützenkompanie ersichtlich.

 

Für Frankreich stellte der Verlust dieses Feldzeichens eine besondere Niederlage dar: Alle Standarten der Linien-Infanterie-Regimenter wurden im Musée de l'Armée im Invalidendom in Paris ausgestellt. Nur die "Inzinger Beutefahne" fehlt dort bis heute.

 

Um diese Lücke zu schließen, versuchte die französische Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg die einzige sich in Tirol befindliche französische Fahne aus den Freiheitskriegen zu finden. Die Inzinger hatten sie jedoch wohlweislich gut versteckt, sodass sie - trotz aufwendiger Suchaktionen durch die Franzosen - nicht entdeckt wurde.

 

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Freiheitskämpfe von 1809 wurde die Standarte restauriert und beim großen Festumzug in Innsbruck mitgeführt (Silbernagl, 3f).

 

Da die Fahne aufgrund ihres Alters und ihres Schicksals nur mehr fragmentarisch vorhanden war und Aufmärsche nicht mehr ausgehalten hätte, übergab die Inzinger Schützenkompanie im Jahr 1976 (MA 1976, 164) ihr Beutestück ein zweites Mal dem Ferdinandeum zur Aufbewahrung. Seither wird sie im Rahmen der Abteilung "Landesverteidigung" im Zeughaus als ein Prunkstück unter den in den Koalitionskriegen erbeuteten Gegenständen präsentiert.


Literatur
Satzungen der Standschützen-Gilde (Standschützen-Compagnie) zu Inzing, entworfen von Hermann Klotz (Inzing 1891). - Fritz Silbernagl, Mit Napoleons Legionsfahne zum Schützenfest, in: Tiroler Tageszeitung (28. 4. 1959) 3f. - Erich Egg / Wolfgang Pfaundler, Das große Tiroler Schützenbuch (Wien-München-Zürich 1976). - Die Tirolische Nation 1790-1820, Katalog Tiroler Landesausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1984 (Innsbruck 1984) Kat.Nr. 11.25. - Mein Dank gilt der Schützenkompanie Inzing - besonders ihrem Chronisten Alfred Rauth - für wertvolle Auskünfte und die Erlaubnis der Einsichtnahme in die Aufzeichnungen des Schützenvereins.

 

Claudia Sporer-Heis