Perkussions-Revolver System Colt, 1849  

Perkussions-Revolver System Colt, 1849

 

K. k. priv. Maschinen-Fabrik Innsbruck
Glatter Lauf mit Korn, dahinter sechsschüssige Perkussionstrommel; unter der Trommel auf der rechten Seite graviert: K:K:PRIV:
MASCH:FABR: // INNSBRUCK; daneben, auf linker Seite graviert: PATENT 1849; Holzgriff eisenmontiert.
Lauflänge 13,5 cm, GesL 31,5 cm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Waffen, Handfeuerwaffen 80

Bild vergrößern ...

 


Im 19. Jahrhundert bot Tirol ideale Grundlagen einer eisenverarbeitenden Industrie. In erster Linie wurden die Eisenvorkommen bei Schwaz und Fieberbrunn ausgewertet, das wertvolle Metall in den Hütten von Jenbach und Fieberbrunn (Pillersee) erzeugt und in den Hämmern von Kastengstatt bei Kirchbichl und Kleinboden bei Fügen veredelt (Egg, 258). Noch in der ersten Jahrhunderthälfte wurden erste Fabriken gegründet, Erzeugungsstätten größeren Stils, die mit neuen rationalisierten Fertigungstechniken arbeiteten und damit über die bisherige handwerkliche Herstellung hinauswuchsen. Das staatliche Privileg bot Schutz vor zu großer in- und ausländischer Konkurrenz.

 

Die älteste Tiroler Fabrik, in der auch Waffen erzeugt wurden, war die im Jahr 1838 gegründete "K. k. privilegierte Maschinen- und Spinnfabrik" am Sillkanal in Innsbruck. Ihre Schöpfer waren die Vorarlberger Textilfabrikanten Ganahl und Rhomberg und der Schweizer Maschinenbauer und Mechaniker Kaspar Lüthi. Die Herstellung von Gewehren wurde 1849 aufgenommen. Am 18. Juni 1849 wurde von Seiten der Fabrik ein Ansuchen um Erteilung eines Patentes eingereicht: Durch die "Güte eines Freundes" sei man in den zeitlichen Besitz einer in Amerika erfundenen Pistole, dort "Six shooting Revolver" genannt, zu deutsch "6schüssiger Selbstwender", gekommen. Man könne diese amerikanische Pistole noch verbessern, nämlich Gewicht und Größe um die Hälfte reduzieren, die Schussweite jedoch verdoppeln.

 

Bereits am 13. Juni 1849 hatte Samuel Colt, der Erfinder des Dragoner-Trommelrevolvers Modell 1848, eine deutsche Übersetzung seiner Erfindung übergeben.

 

Der in Innsbruck gebaute Colt-Revolver nach dem Dragoner-Revolvermodell 1848 war "eine der ersten und vollendetsten und verbesserten Abarten des berühmten Colt-Revolvers überhaupt" (Egg, 261) und erregte großes Aufsehen. - An Schloss und Trommel graviert, wurde dieser Colt-Revolver an Private verkauft und an die k. k. Marine als Dienstwaffe für Offiziere geliefert.

 

Ein gleiches Exemplar wie das im Jahr 1975 erworbene wurde 1979 in Koffer mit Zubehör vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum angekauft. Die Innsbrucker Colt-Revolver gelten heute in Sammlerkreisen als besondere Rarität.


Kassette mit Innsbrucker Colt-Revolver mit Zubehör
Historische Sammlungen, Waffen, Handfeuerwaffen



Literatur
Erich Egg / Wolfgang Pfaundler, Das große Tiroler Schützenbuch (Wien-München-Zürich 1976) bes. 87-95. - Erich Egg / Wolfgang Pfaundler / Meinrad Pizzinini, Von allerley Werkleuten und Gewerben (Innsbruck-Wien-München 1976) 24, 26, 28, 52. - Erich Egg, Das Handwerk der Uhr- und Büchsenmacher in Tirol (Tiroler Wirtschaftsstudien 36, Innsbruck 1982) 258-268. - Erich Gabriel, Die Hand- und Faustfeuerwaffen der habsburgischen Heere (Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien 11, Wien 1990) 480f.

 

Meinrad Pizzinini