Auflösung, 1951  

Auflösung, 1951

 

Arnulf Rainer (Baden bei Wien 1929 - lebt in Wien)
Bleistift auf Papier, 101 x 174 cm
bez. re. u.: A. Rainer 1951

Graphische Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 3350

Leihgabe Land Tirol

Bild vergrößern ...

 


Die primären Gestaltungsmittel der 1951 datierten Arbeit auf Papier sind verschieden dicht sich zusammenfügende kleinteilige Bleistiftstriche und -haken, die der Künstler in einer verselbständigt-automatisch und äußerst spontan wirkenden Setzung über das gesamte Bildfeld aufträgt. Während sich die Bleistiftstriche in der Mitte der unteren Hälfte des Blattes immer mehr zu einer fast ununterscheidbaren Anhäufung verdichten, wodurch sich der Eindruck eines nach unten verschobenen Zentrums einstellt, geht das Formgefüge gegen die Ränder hin allmählich in ein immer lockerer werdendes Liniengeflecht über.

 

Die 1951 entstandene Serie der "Auflösungen" bedeutet das Ende der seit 1948 andauernden phantasiekünstlerisch-surrealen Phase im Frühwerk von Arnulf Rainer. Wie die unmittelbar vorangegangenen "Atomisationen" und die darauf folgenden "Blindmalereien" stehen sie am Übergang zu jenen "Zentralgestaltungen" und "Vertikalgestaltungen", mit denen der knapp 22 jährige Künstler im Umfeld von Tachismus und Informel seinen eigenen künstlerischen Ansatz zu finden suchte. In der in den "Auflösungen" zum Ausdruck kommenden Entformelung und Destruktion des Gegenständlichen erprobt Rainer erstmals jene "Grenzsituation", die für ihn die Grundlage für die späteren Übermalungen bildet. Mit den Strichen, Häkchen und Linien findet er bereits die den Übermalungen entsprechenden Gestaltungsmittel.

 

Das Bild wurde 1974 mit Mitteln des Landes Tirol von der Galerie Nächst St. Stephan erworben und dem Ferdinandeum im Mai desselben Jahres als Leihgabe übergeben.

 

Die Arbeit "Auflösung" von 1951 belegt nicht nur einen wichtigen Schritt von Arnulf Rainer auf seinem Weg zum Durchbruch zur zeitgenössischen, internationalen Avantgarde, sondern stellt zugleich innerhalb der Darstellung der österreichischen Malerei ein zentrales Dokument für die Neuorientierung nach 1945 dar.


Literatur
Otto Breicha (Hg.), Arnulf Rainer. Hirndrang. Selbstkommentare und andere Texte zu Werk und Person mit 118 Bildbeigaben (Salzburg 1980). - Dieter Honisch, Arnulf Rainer, Katalog Nationalgalerie Berlin / Staatliche Kunsthalle Baden-Baden / Städtisches Museum Bonn / Museum moderner Kunst - Museum des XX. Jahrhunderts Wien 1981 (Stuttgart 1981).

 

Günther Dankl