Radschlossstutzen, 1760/80  

Radschlossstutzen, 1760/80

 

Ambrosius Fux (Fuchs) (Gericht Kitzbühel um 1730-1810 Kitzbühel)
Lauf mit Visier und Korn; innenliegendes Radschloss; deutscher Kolben mit Kugellade; Vollschaft; hölzerner Ladestock
am rückwärtigen Laufende bezeichnet: AMBROSIUS FUX IN KIZBICHL, Meistermarke in Messing, Lauflänge 85,2 cm, GesL 116,3 cm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Waffen, Handfeuerwaffen 40

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Die Radschlossbüchse von Ambrosius Fux gilt als handwerklich gediegene Arbeit eines Büchsenmachers außerhalb der Landeshauptstadt Innsbruck. Im Gericht Kitzbühel geboren, wurde er als ausgebildeter Schlosser und Büchsenmacher am 1. April 1760 als Bürger in die Stadt Kitzbühel aufgenommen und starb dort achtzigjährig am 6. Dezember 1810. Die reichen Verzierungen des Stutzens, seien es Schnitzereien, Gravierungen, Perlmutter- oder Beineinlagen, sind typisch für die Zeit der Entstehung (Egg 1982, 240ff). Es mag verwundern, wenn Fux noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Stutzen mit Radschloss gebaut hat, denn seit 1750 setzte sich das "moderne" Steinschloss (Batterie- oder Schnappschloss) durch. Das Radschloss, um 1630 erfunden, musste mit einem Schlüssel aufgezogen werden, um beim Abgehen durch Reiben mit dem Feuerstein den zündenden Funken hervorzurufen. Die Bedienung des Steinschlosses war zwar einfacher, indem beim Auslösen der Schnapphahn durch Aufschlag mit dem Feuerstein in der Pfanne den Funken erzeugte, eine leichte Erschütterung aber war nicht zu vermeiden. Besonders für Scharfschützen - gleichgültig ob am Schießstand oder im Kriegseinsatz - blieben daher die Radschlossstutzen weiterhin beliebt und kamen selbst noch in den Tiroler Freiheitskriegen erfolgreich zum Einsatz.

 

Seit der Gründungszeit des Museums wurden zwar Waffen gesammelt, aber nicht systematisch. Es war mehr dem Zufall überlassen, welche Objekte in die Sammlungen aufgenommen werden konnten. Und dennoch befinden sich darin wertvolle Stücke wie z. B. hochmittelalterliche Schwerter, Tartschen des 15. Jahrhunderts als Schutzwaffen, einige wenige Plattnerarbeiten des 16. Jahrhunderts und Armbrüste mit Spannvorrichtungen, ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert (Trapp, 38f ). Nachdem das so genannte Waffenkabinett ausgeräumt worden war, übergab man 1951 die gesamte Waffensammlung als Leihgabe nach Schloss Ambras, bis sie 1975 wieder zurückgeholt und aufgearbeitet wurde. Bezüglich der gezielten Erweiterung sind es die Handfeuerwaffen als Werke einheimischer Büchsenmacher, die wesentliche Bereicherungen erfahren haben, wozu auch die im Jahr 1972 erworbene Radschlossbüchse von Ambrosius Fux aus Kitzbühel gehört.


Signatur und Meistermarke am Lauf des Radschlossstutzens
Historische Sammlungen, Waffen, Handfeuerwaffen 40



Literatur
Oswald Trapp, Das Waffenkabinett, in: Tirol. Natur - Kunst - Volk - Leben 12/13 (1930) 38f. - Erich Egg / Wolfgang Pfaundler, Das große Tiroler Schützenbuch (Wien-München-Zürich 1976) bes. 87-95. - Schützen - Scheiben - Schätze, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1977 (Innsbruck 1977) Kat.Nr. 53. - Erich Egg, Das Handwerk der Uhr- und Büchsenmacher in Tirol (Tiroler Wirtschaftsstudien 36, Innsbruck 1982) 240ff.

 

Meinrad Pizzinini