Alpbach, um 1948 (?)  

Alpbach, um 1948 (?)

 

Werner Scholz (Berlin 1898-1982 Alpbach)
Öl auf Karton, 130 x 78 cm
bez. li. u.: W S

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 3065

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Wie viele andere expressionistische Künstler war auch der Berliner Maler Werner Scholz 1937 auf der Ausstellung "Entartete Kunst" in München vertreten. Auch erhielt er zugleich Ausstellungsverbot, und seine Bilder wurden aus allen deutschen Sammlungen und Museen entfernt. Zwei Jahre später übersiedelte Scholz nach Alpbach in Tirol, wo er sich bis zu seinem Tod 1982 aufgehalten hat.

 

Ab den 40er Jahren schuf der Künstler in seiner Alpbacher Wahlheimat neben seinen groß angelegten Pastell-Zyklen auch eine Reihe von expressiven, fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gehaltenen Landschaftsbildern. Auch das vorliegende, undatierte Bild dürfte aus der frühen Zeit der Emigration in Alpbach stammen. Mit rasch hingeworfenen Pinselstrichen hält Scholz das Wesentliche der Landschaft fest. Neben dem übermächtigen, die Komposition bestimmenden Weiß wird die Palette von einigen wenigen aufblitzenden dunklen Rot- und Blautönen diktiert, nur ganz selten mischen sich dazu an Wiesen oder Waldflächen erinnerndes Grün oder Braun. Im Vorder- und Mittelgrund auftretende Sträucher und Bäume werden äußerst reduziert und stilisiert angedeutet. Ebenso flüchtig gestaltet der Künstler den Himmel und die Wolken über der Talsenke. In ihrer skizzenhaften, abstrahierenden Äußerung macht das Bild Scholz' expressive Vitalität augenscheinlich, zugleich weist der beherrschende Hell-Dunkel-Kontrast der Farbgebung auch auf jene innere Spannung und Unruhe hin, von der der Künstler zu dieser Zeit erfasst worden ist. Erst ab Mitte der 50er Jahre, nachdem der Künstler nach einem zweijährigen Aufenthalt im Ruhrgebiet wiederum nach Alpbach zurückkehrte, treten eine gewisse Ruhe und Stabilität ein, die sich auch in den in der Folge entstandenen malerischen Ansichten der Tiroler Umgebung niederschlagen.

 

Das Bild wurde im März 1964 mit Mitteln der im Jänner 1964 anlässlich der IX. Olympischen Winterspiele ins Leben gerufenen Olympiastiftung des Landes Tirol, der Stadt Innsbruck und der Tiroler Handelskammer (heute Wirtschaftskammer Tirol) angekauft. Seither gehört es neben den Werken der ebenfalls in Tirol ansässig gewesenen Leipziger Künstlerin Hilde Goldschmidt mit zu den herausragenden, in Tirol entstandenen Zeugnissen des deutschen Spätexpressionismus.


Literatur
Werner Scholz. Ausstellung zum 60. Geburtstag, Ausstellung Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1958 (Innsbruck 1958) 8, Kat.Nr. 26. - Tiroler Kunst heute, Ausstellung Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1964 (Innsbruck 1964) o. S. [14]. - Hans-Georg Gadamer, Werner Scholz (Recklinghausen 1968). - Näher an der Natur. Mensch und Landschaft in der Malerei von 1900 bis 1950 - Tirol und Trentino, Katalog Museum für Moderne Kunst Bozen 1987 (Bozen 1987) 49 (Abb.), 151, Kat.Nr. 24.

 

Günther Dankl