Medaille auf die französischen Fahnen im Zeughaus, 1806  

Medaille auf die französischen Fahnen im Zeughaus, 1806

 

Bertrand Andrieu (Bordeaux 1761-1821 Paris) - Nicolas Guy Antoine Brenet (Paris 1770-1846 Paris)
VS: Porträt Napoleons I.; Umschrift: NAPOLEON EMP(EREUR) ET ROI; sign. am Halsabschnitt: ANDRIEU F(ECIT), RS: Kriegsgott Mars; sign.: BRENET F(ECIT) und DENON D(IREXIT)
Kupfer, Dm 41 mm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Medaillen V/4

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Ein für die Dokumentation der Napoleonischen Ära besonders rares Stück wurde 1963 angeboten und angekauft: eine französische Medaille auf die Wiederauffindung militärischer Fahnen im Zeughaus zu Innsbruck im November 1805 in einer noch nicht bekannten Variante.

 

Der historische Hintergrund ist der Dritte Koalitionskrieg. Dem VI. französischen Armee-Korps unter Marschall Michel Ney gelang der Einbruch in Tirol durch ein Umgehungsmanöver der Festung Scharnitz über die Leutasch. Am 5. November rückten die Truppen kampflos in Innsbruck ein und besetzten nach zwei Tagen das kaiserliche Zeughaus an der Sill. Hier fielen ihnen neben großen Beständen an Waffen, Pulver, Ausrüstung und Kleidung überraschend zwei, eher drei Bataillonsfahnen in die Hände, die dem 76. Linien-Regiment in den Kämpfen um Graubünden im Jahr 1799 von den kaiserlichen Truppen abgenommen worden waren (Hugo, 269; Derrécagaix, 104). Die Wiedergewinnung der Fahnen bedeutete die Wiedergewinnung der militärischen Ehre! (Derrécagaix, 104) Dieses historische Ereignis bot genügend Anlass, Aktivitäten von besonderem Dokumentationswert zu setzen: Bald schon dürfte Napoleon eine Medaille in Silber und Kupfer in Auftrag gegeben haben, die unter der Leitung von Dominique Denon, Direktor der Pariser Münze, herausgegeben worden ist. Die Inschriften der Rückseite lauten bezeichnenderweise: "LES AUTRICHIENS VAINCUS" ("Die besiegten Österreicher") - "LES DRAPEAUX FRANCAIS REPRIS" ("Die wiederaufgefundenen französischen Fahnen"), im Abschnitt: "INSPRUCK LE XVI BRUM(AI)RE AN XVI. MDCCCV" ("Innsbruck, am 16. Brumaire im 14. Jahr [nach dem Revolutionskalender] 1805").

 

Weiters musste die Szene der Wiederauffindung der Fahnen auf seinen Befehl hin in einem monumentalen Gemälde des Historienmalers Charles Meynier im Rahmen eines Zyklus über den Kriegszug von 1805 für Versailles festgehalten werden. Und noch fünf Jahre nach dem Ereignis, am 21. Juli 1810, fand in Paris die Uraufführung des Singspieles "L'arsenal d'Inspruck" - "Das Zeughaus zu Innsbruck" mit demselben Inhalt statt (Pizzinini, 76ff). Zusammen mit dem Libretto von "L'arsenal d'Inspruck" und einem zeitgenössischen Kupferstich nach Meyniers Gemälde bildet diese Medaille einen wesentlichen Bestandteil eines Ensembles zur Geschichte des Jahres 1805 in Tirol und insbesondere des Innsbrucker Zeughauses.


Titelseite des Singspiels "L'Arsenal d'Inspruck", 1810
Bibliothek



Literatur
A. Hugo, France militaire. Histoire des armées françaises de terre et de mer de 1792 à 1833, Band 3 (Paris 1836) 268f. - (Général) Derrécagaix, Nos Campagnes au Tyrol 1797-1799, 1805-1809 (Paris 1910) 104f. - Raoul de Broglie, Les campagnes françaises dans le Tyrol, in: Bulletin d'information et de Documentation 19 (1947), 64-79, bes. 76. - Die Tirolische Nation 1790-1820, Katalog Tiroler Landesausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1984 (Innsbruck 1984) 256f. - Meinrad Pizzinini, "L'arsenal d'Inspruck". Französische Fahnen im Innsbrucker Zeughaus. In: Festgabe für Erich Egg zum 65. Geburtstag (Innsbruck 1985) 68-83.

 

Meinrad Pizzinini