Keramikensemble aus Haiming  

Keramikensemble aus Haiming

 

6. Jahrhundert v. Chr.
Haiming, GP 3036
Urne und Beigefäß mit Bronzeblechbandzier (Grab 1); Zylinderhalsschüssel, Henkelschale (aus zerstörten Brandgräbern)
Gebrannter Ton

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 18.410/1, 18.410/2; 18.349, 18.350

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Die hallstattzeitliche Nordtiroler "Inntal-Gruppe" (Gleirscher 1991, 12 ff) des 8. bis 6. Jahrhunderts v. Chr. mit ihrem dem heutigen Nordtiroler Raum entsprechenden Verbreitungsgebiet ist - wie bereits in der vorangegangenen Urnenfelderzeit - kulturell ins bayerische Alpenvorland ausgerichtet. Die Hauptverkehrsroute, das Nordtiroler Inntal, markieren Siedlungs- und Grabfunde mit Keramik bayerischer Prägung: z. B. kirschrot überfangene Ossuare mit graphitiertem Dekor sowie die Zylinderhalsschüssel mit rot-weiß-roter Zonenbemalung im Brandgräberfeld Wörgl-Egerndorfer Feld, weiters schnitt- und ritzmuster- sowie riefenverzierte Kegelhalsgefäße und Schüsseln u. a. von Innsbruck-Hötting, Stans-Burgberg und Tarrenz (Lang 1993).

 

In diesen Formenkreis ist auch die späthallstattzeitliche Keramik aus dem Brandgräberfeld von Haiming, GP 3036, zu stellen, das der Erweiterung einer Sandgrube in unmittelbarer Nähe des Umspannwerkes der Tiroler Wasserkraftwerke AG im Jahre 1951 zum Opfer fiel. Univ.-Prof. Dr. Leonhard Franz konnte in der im Folgejahr durchgeführten Notgrabung nur mehr eine Brandbestattung, Grab 1, bergen: In der in der Grabgrube mit Steinen verkeilten Urne lag eine kleine Zylinderhalsschale, deren Halszone - wie jene des Ossuars - durch ein schmales Bronzeblechband verziert war, eine Zierweise, die speziell auf den Nordtiroler Raum begrenzt zu sein scheint.

 

Als Geschenk von Frau Johanna Haselwanter, Haiming, gelangten erst zwei Jahrzehnte nach der archäologischen Sondierung durch Leonhard Franz zwei weitere Gefäße ohne Grabzusammenhang in das Ferdinandeum: eine kleine Henkeltasse und eine Zylinderhalsschüssel mit vertikaler, flächiger Riefenzier (EB 1962; JB 1962, 208), deren beste Entsprechung im Tiroler Raum ebenfalls im eisenzeitlichen Brandgräberfeld Wörgl-Egerndorfer Feld, Grab VIII (Kneußl, 159) zu finden ist.


Schale mit weiß-roter Zonenbemalung, Ton
Wörgl, Egerndorfer Feld
6. Jh. v. Chr.
Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.Nr. U 18.409/5



Literatur
Amei Lang, Hallstatt- und latènezeitliches Kunsthandwerk im Inntal, in: Archäologie in Deutschland 1993, Heft 2, 16-29. - Amei Lang, Von der Hallstattzeit bis zur Frühlatènezeit in Nordtirol. In: Ingrid R. Metzger / Paul Gleirscher (Hgg.), Die Räter / I Reti (Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer, Kommission III / Kultur, Bozen 1992) 91-115. - Reinelde Kneußl, Studien an hallstättischer Keramik der Gräberfelder Egerndorfer Wald (Wörgl) und Haiming. In: Osmund Menghin (Hg.), Beiträge zur Urgeschichte Tirols (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Sonderheft 29, Innsbruck 1969) 145-235.

 

Wolfgang Sölder