Gottfried von Bouillon, um 1530/32  

Gottfried von Bouillon, um 1530/32

 

Hans Polhaimer d. Ä. (München um 1490/1500-1566 Innsbruck?)
Federzeichnung in Braun, aquarelliert, 297 x 210 mm
bez. li. o.: gotfrid von Bulion kunig zw Jerusalem; li. M.: Das soll ein lanng brait Swert sein auff die seyttn

Graphische Sammlungen, Inv.-Nr. AD 32

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Die aquarellierte Federzeichnung des von 1528 bis 1566 in Innsbruck tätigen Hofmalers Hans Polhaimer d. Ä. zeigt den Entwurf zur Statue des Führers des ersten Kreuzzuges und Königs von Jerusalem (1099-1100), Gottfried von Bouillon, für das Grabmal Kaiser Maximilians.

 

Breitbeinig, das kurze Schwert in der Rechten und den Schild mit dem Jerusalemkreuz und dem habsburgischen Löwen in der Linken, steht Gottfried IV., Graf von Bouillon und Herzog von Niederlothringen, auf einem stilisierten Podest. Er trägt eine mit Schmucksteinen und Quasten reich verzierte historisierende Phantasierüstung. Die an Kollane und Hüftgurt befestigten Medaillons zeigen abwechselnd den Löwen Habsburgs und die Lilie Frankreichs. Die Ellbogenkachel ist in Anspielung auf den Sieg über die Ungläubigen als Türkenkopfmaske ausgeführt. Der Helmschmuck besteht aus den Arma Christi - Kreuz, Dornenkrone, Geißel und Rute -, die, so Madersbacher (1996), 178, "die Herrschaft über Jerusalem bildhaft vor Augen führen" sollen.

 

Als "Befreier" des Heiligen Grabes und Begründer des ersten lateinischen Kreuzfahrerstaates hatte Gottfried von Bouillon bereits im 14. Jahrhundert Eingang in die profane Malerei gefunden. Als Ahnenstatue Maximilians I. taucht Gottfried von Bouillon erstmals auf einem Festwagen auf, den Hans Springinklee für die Holzschnittfolge des von Maximilian in Auftrag gegebenen "Triumphzuges" in den Jahren 1512-1519 ausführte. Der Entwurf Polhaimers hält sich weitgehend an das Vorbild des "Triumphzuges". Als Stefan Godls letzte Figur für das Grabmal Kaiser Maximilians I. wurde sie 1533 nach dem Modell von Leonhard Magt gegossen. Dass die Entwurfszeichnung tatsächlich als Arbeitsgrundlage gedient haben mag, legen die auf dem Blatt vermerkten handschriftlichen Korrekturen nahe, die in der Ausführung tatsächlich befolgt wurden. Ein Vergleich mit dem heutigen Standbild zeigt jedoch, dass es in der endgültigen Ausführung dennoch zu einigen Änderungen gekommen ist.

 

Die Zeichnung stammt aus der Sammlung des Wiener Architekten Anton Schmid. Im März 1958 wurde das Blatt gemeinsam mit acht weiteren Zeichnungen, u. a. von Paul Troger, Johann Evangelist Holzer und Thomas Ender, gegen acht Zeichnungen aus den Graphischen Sammlungen eingetauscht. Da sie den einzigen erhaltenen Entwurf zu einer Statue des Grabmals Kaiser Maximilians I. darstellt, der auch tatsächlich für die Ausführung benutzt wurde, kommt ihr innerhalb der Graphischen Sammlungen eine große kunsthistorische Bedeutung zu.


Literatur
Erwerbungen 1955-1964. Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1964/65 (Innsbruck 1964) o. S. [12], Kat.Nr. 26, Abb. 12. - Erwerbungen 1956-1980. Für Erich Egg zum 60. Geburtstag, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1980 (Innsbruck 1980) 46, 47 (Abb.). - G. Sievernich / H. Budde (Hgg.), Europa und der Orient, Katalog Berliner Festspiele 1989 (Gütersloh-München 1989) 689, Kat.Nr. 7/13, Abb. 772. - Lukas Madersbacher, Gottfried von Bouillon. In: Ruhm und Sinnlichkeit. Innsbrucker Bronzeguß 1500-1650. Von Kaiser Maximilian I. bis Erzherzog Ferdinand Karl, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1996 (Innsbruck 1996) 178, Kat.Nr. 45, 179 (Abb.).

 

Günther Dankl