Vermählung Mariä, um 1733  

Vermählung Mariä, um 1733

 

Paul Troger (Welsberg 1698-1762 Wien)
Feder in Schwarz, Kohle, leicht laviert auf blauem Papier, 588 x 309 mm

Graphische Sammlungen, Inv.-Nr. T 1120

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Die Darstellung der Vermählung Marias mit Josef ("Lo Sposalizio") war seit dem im 14. Jahrhundert einsetzenden Marienkult ein besonders in Italien und Frankreich beliebtes Thema. Auf Berichten in den apokryphen Evangelien fußend, wurde es zumeist durch die Handreichung von Maria und Josef, die Ringübergabe Josefs an Maria, das Erblühen des Stabes in der Hand Josefs oder das Zerbrechen des Stabes durch die übrigen Freier zum Ausdruck gebracht.

 

In Anlehnung an die italienischen Vorbilder verlegt Paul Troger in der vorliegenden Zeichnung die Vermählung ebenfalls in das Freie vor einem Tempel. Der Künstler zeigt den Augenblick, in dem Josef Maria den Ring ansteckt. Das Paar und der Hohepriester zwischen ihnen stehen wie auf einer Bühne erhöht auf einer Treppe. Um sie herum gruppiert sich das am Geschehen teilnehmende Volk. Links hält ein Teilnehmer ein aufgeschlagenes Buch in der Hand, während ein weiterer zwei Weinbecher heranträgt. Der blühende Stab, den Josef in der linken Hand trägt, ist bei Troger nunmehr zu einem fast beiläufigen Attribut geworden. Er erinnert nur noch denjenigen an die ursprüngliche Bedeutung bei der Gattenwahl, der die Legende kennt. Über der Szene schweben in den Wolken Engel und mehrere Putti. Auf der rechten Seite wird das Geschehen durch die Tempelarchitektur und die auffällig platzierten Gesetzestafeln Moses abgeschlossen; nach unten reichen die Treppen mit dem breiten Geländer bis an den Bildrand.

 

Mit dünnen, mit der Feder gezogenen Konturen hält Troger die Figuren und die Details fest. Die artikulierte Strichführung lässt, unterstützt durch die sparsam eingesetzten Kohle-Schattierungen, in dem wohl komponierten und übersichtlich aufgebauten Gesamtbild die Biegungen der Körper, die Draperien und Gesten plastisch hervortreten.

 

Die um 1733 entstandene Zeichnung ist ein Kompositionsentwurf für das Hochaltarbild, das Troger für die Schlosskapelle in Schönbrunn geschaffen hat. Eine fast identische Federzeichnung sowie eine weitere Skizze zu diesem Gemälde befinden sich in der Graphischen Sammlung Albertina in Wien. Wie auch die Albertina-Zeichnungen ist der Innsbrucker Entwurf so vollendet, als wäre er abgeschlossen.

 

Das Blatt wurde im November 1955 aus der Sammlung des Wiener Architekten Anton Schmid erworben. Gemeinsam mit den übrigen Zeichnungen von Paul Troger gehört es zu den wichtigen Zeugnissen des umfangreichen Bestandes barocker Handzeichnungen der Graphischen Sammlungen.


Literatur
Paul Troger. Der Maler des österreichischen Barock, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1962 (Innsbruck 1962) 61, Kat.Nr. 112. - Wanda Aschenbrenner / Gregor Schweighofer, Paul Troger. Leben und Werk (Salzburg 1965) 136, Nr. 100 (m. Abb.).

 

Günther Dankl