Predigt des hl. Johannes d. T., 1776/77  

Predigt des hl. Johannes d. T., 1776/77

 

Franz Anton Zeiller (Reutte 1716-1794 Reutte)
Feder in Grau, aquarelliert, 593 x 444 mm
bez. li. u.: Insprug in schulkirchen von Fr. a. Zeiler (spätere Ergänzung)

Graphische Sammlungen, Inv.-Nr. T 880

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Johannes d. T. predigt inmitten von vier Menschengruppen, über ihnen schweben Engel und Putten. Die Szene ist in eine räumlich gestaffelte Landschaft gesetzt und wird von zwei seitlich ins Bildfeld ragenden Laubbäumen flankiert. Kompositorisch ist die Szene in eine mächtig nach oben steigende Spirale eingebunden. Das Aquarell dient als Entwurf für das Fresko der Predigt des hl. Johannes d. T. im Hauptdeckenbild der Kapelle der Normalschule in Innsbruck, das der Künstler mit "F. A. Zeiller pict. aulicus Brxin. invenit 1777" signiert hatte. Die Kapelle gehört zur Maria-Theresianischen Normalschule in der Kiebachgasse (Nr. 10) in der Altstadt von Innsbruck, sie diente ab 1879 der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus; 1905 wurde im Kapellenraum eine Schlosserwerkstätte mit eingezogener Betondecke eingerichtet, der obere Raum als Lager verwendet. Dadurch wurden die Fresken aber weitgehend geschützt.

 

Franz Anton Zeiller hat sich als Brixener Hofmaler vor allem Aufträgen in Tirol gewidmet, im Gegensatz zu Johann Jakob Zeiller, der erst in hohem Alter in seine Heimat zurückkehrte und hier seine Spätwerke schuf. Franz Anton Zeiller verschrieb sich in Kolorit und Komposition der Augsburger Schule, nachdem er bei Johann Evangelist Holzer und Gottfried Bernhard Götz gelernt hatte. Er vertrat einen erzählerischen, genrehaften Stil, in den viele folkloristische Elemente einflossen.

 

Die Erwerbung wurde 1954 getätigt; das Erwerbungsbuch nennt keine Provenienz. Innerhalb der Graphischen Sammlungen sind die Zeichnungen von Tiroler Künstlern der größte Komplex. Speziell im Barock sind viele Skizzen und Entwürfe in Bleistift, Feder, laviert und aquarelliert, erhalten, welche den Arbeitsprozess eindrucksvoll veranschaulichen. Von Franz Anton Zeiller ist u. a. auch das Skizzenbuch seiner Italienreise von 1742/49 erhalten, in welchem jene italienischen Künstler bzw. deren Motive dokumentiert sind, die für Zeiller Orientierung boten (Gert Ammann, Franz Anton Zeiller Skizzenbuch der Italienreise. In: Festschrift Otto von Lutterotti (Veröffentlichungen der Universität Innsbruck 85, Innsbruck 1973) 1-25).


Franz Anton Zeiller (1716-1794), Selbstbildnis, um 1740
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 285



Literatur
Irmgard Plankensteiner, Der Brixener Hofmaler Franz Anton Zeiller 1716-1794. Phil. Diss. (Innsbruck 1978) Kat.Nr. 158. - Gert Ammann, Paul, Johann Jakob, Franz Anton Zeiller, Katalog Raiffeisen-Galerie Reutte 1983 (Innsbruck 1983) 61, Kat.Nr. 28. - Irmgard Plankensteiner, Franz Anton Zeiller (1716-1794). Maler in Reutte, Katalog Heimatmuseum Reutte 1994 (Reutte 1994) 37f, Kat.Nr. 37.

 

Gert Ammann