Deckelpokal für Christoph von Wallpach mit Medaille, 1692/93  

Deckelpokal für Christoph von Wallpach mit Medaille, 1692/93

 

Anton Kuprian (Innsbruck 1665-1736 Mannheim?)
Silber, vergoldet, Pokal: H ca. 62 cm, Dm am Fuß 22,6 cm, Dm Kuppa 17,7 cm, Dm Deckel 22,6 cm; am Fuß Punze AK (zweimal)
Medaille: Dm 8,5 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. GO 28 und GO 29

Leihgabe Land Tirol

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Der Pokal besitzt einen zweimal eingezogenen Fuß mit Blattwerkornamenten. Den Schaft dekorieren zwei Knäufe mit Maskenköpfen, ein weiterer Knauf mit drei Löwenköpfen und drei Karyatiden, welche die Kuppa tragen. Die glatte Kuppa schmückt ein durchbrochenes Rankendekor und vier Medaillons mit männlichen Brustbildern, welche die vier Stände Tirols - Klerus, Adel, Bürger und Bauern - symbolisieren. Oberhalb und unterhalb der Medaillons umläuft ein Band in Form eines Lorbeerkranzes die Kuppa. Auf dem zweimal eingezogenen Deckel mit Rankendekor sitzt auf einem kugeförmigen Knauf der Tiroler Adler.

 

Der Deckel weist folgende Umschrift auf: "1693 · Ist diser Pocall sambt 250 · neuen Reichs Tallern · von Lobl: Tyrolischer Landtschaffts Herrn Christophen von Wallpch zum Schwandenveld · Kay : Salz Rath zu Hall · zu schuldiger danckhbarkeit vnd gedechtnus seiner obgetragnen vnd Nutzlich Vollbrachten Landtschäfftlichen Traidt Commission , Verehret worden ." Wie die Umschrift besagt, betraute die Landschaft Tirol Christoph Wallpach zweimal mit Getreideeinkäufen in Niederösterreich, die er ohne Profitgier und Eigennutz zur vollsten Zufriedenheit durchführte und dadurch eine drohende Hungersnot verhinderte. Dafür wurde ihm aus Dankbarkeit von den Landständen dieser Prunkpokal überreicht, der bei Anton Kuprian, dem bedeutendsten Innsbrucker Goldschmied zur Zeit des Barocks, in Auftrag gegeben wurde. Die Medaille, welche an einer kurzen dreiteiligen Kette hängt, zeigt auf der Vorderseite die alttestamentarische Gestalt Josefs, wie er während der sieben mageren Jahre in Ägypten Getreide an die Hungernden verteilt. Auf der Rückseite steht folgende Inschrift zu lesen: "GLEICH WIE / VORZEIT EGIPTEN LANDT, / IOSEPHVS THAT VERWALTEN. / ALSO TYROL WIE IST BEKHANDT / VON WALLPACH HAT ERHALTEN / VOR THEUERVNG VND HVNGERS NOTH / DAMIT MANN KHONTE LEBEN. / HAT ER DAS LANDT ERFREIT MIT PROTT / VND SOLCHES WOLFAIL GEBEN. / DARDVRCH ERWORBEN INSGMAIN DEN NAM[M] / PROTTVATTER GNANT ZU WERDEN / DER GÜTTIG GOTT ERHALT SEI STAM / IM HIMIL VND AVF ERDEN / 1692". Die vergoldete Silbermedaille hatten die Haller Mitbürger Wallpachs schlagen lassen und sie ihm zum Zeichen ihrer Ehrerbietung zum Geschenk gemacht.

 

Das Land Tirol erwarb 1953 den Pokal und übergab ihn dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum als Leihgabe (MA 1953, 113; Ausschusssitzung, 21. April 1953, 15. Februar 1954).


Literatur
Otto Maximilian von Wallpach, Chronik der Familie von Wallpach zu Schwanenfeld (Mattsee 1892). - S., Medaille auf Christof von Wallpach zu Schwanenfeld, in: Monatsblatt der Numismatischen Gesellschaft in Wien 115 (1893) 210. - Magdalena Weingartner, Gold und Silber. Kunstschätze aus Tirol, Katalog Hofburg Innsbruck 1961 (Innsbruck 1961) 109, Kat.Nr. 204, 116 (A. Kuprian). - Magdalena Weingartner, Zwei Innsbrucker Goldschmiede des 18. Jahrhunderts, in: Tiroler Heimatblätter 37 (1962) 65-72. - Barock in Innsbruck, Katalog Tiroler Landesmuseum Innsbruck 1980 (Innsbruck 1980) 193f, Kat.Nr. 537, mit Abb.

 

Eleonore Gürtler