Josef Georg Oberkofler, 1949  

Josef Georg Oberkofler, 1949

 

Max Weiler (Absam bei Hall i. T. 1910-2001 Wien)
Öl auf Leinwand, 84,3 x 85 cm
bez. li. o.: MW 49

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 1828

Leihgabe Land Tirol

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Im Anschluss an die Freskenarbeiten für die Theresienkirche auf der Hungerburg (1946/47) hat Max Weiler eine Reihe von selbständigen Bildnissen geschaffen. Auch das "Bildnis des Dichters Josef Georg Oberkofler" stammt aus diesem Zeitraum. Es zeigt den bekannten Schriftsteller (St. Johann/Ahrn 1889-1962 Innsbruck) in frontaler Brustbild-Ansicht an einem Tisch sitzend. Tisch und Hintergrund besitzen mit Ausnahme des aufblitzenden Rots an der hinteren Tischkante eine fast identische Farbgebung, von der sich das Gesicht, der Oberkörper, die Arme und Hände mächtig abheben. Ähnlich wie die übrigen Porträts dieser Zeit, erfasst Weiler den Schriftsteller in seiner ganzen wirklichen Erscheinungsform. Der Porträtierte beherrscht als klar konturierte Gestalt den gesamten Bildraum, die kräftige Farbgebung und die Unbestimmtheit des Umraumes sind ganz auf die klare Erfassung der Persönlichkeit hin abgestimmt.

 

Max Weiler hat das Bildnis Josef Georg Oberkoflers in Öl geschaffen. Ein Jahr später beginnt Weiler nicht zuletzt unter dem Eindruck eines Paris-Aufenthaltes im Sommer 1949 in Temperamalerei zu arbeiten. Hand in Hand mit dieser Änderung der Technik erfolgt auch eine Abkehr von der realistischeren Darstellung hin zu einer lebendigeren und scharf kennzeichnenden expressiven Erfassung, wie dies erstmals in dem 1950 entstandenen "Bildnis Gottfried Hohenauer" (Inv.Nr. Gem 563) zum Ausdruck kommt.

 

Das Bildnis Oberkofler entstand im Frühjahr 1949 anlässlich des 60. Geburtstages von Josef Georg Oberkofler im Auftrag der Tiroler Landesregierung. Es zierte die Vorderseite der Einladung zum "Festakt Joseph Georg Oberkofler", zum dem das Land Tirol ins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum am 23. April 1949 eingeladen hat. Im Anschluss daran wurde das Gemälde als "Dauerleihgabe des Landes Tirol" (EB 1949, Nr. 4) dem Ferdinandeum überlassen. Es ist das erste Werk von Max Weiler, das in die Gemäldesammlung des Ferdinandeums aufgenommen wurde. Damit bildet es ein wichtiges Zeugnis sowohl für die Dokumentation der künstlerischen Entwicklung des Künstlers als auch für die Darstellung der Kunstgeschichte Tirols des 20. Jahrhunderts.

 

Mehr zu Max Weiler unter 1959


Max Weiler, Bildnis Gottfried Hohenauer, 1950,
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 563 (Leihgabe der TIWAG - Tiroler Wasserkraftwerke AG)



Literatur
Monographie Max Weiler. Mit einer Einführung von Wilfried Skreiner und einem Werkverzeichnis der Bilder von 1932 bis 1974 von Almut Krapf (Salzburg 1975), 199, Kat.Nr. 166. - Vinzenz Oberhammer, Einiges zu Weilers Bildnismalerei. In: Peter Weiermair (Hg.), Über Max Weiler (Innsbruck 1980) 150-167. - Max Weiler, Porträts 1933-1990. Mit einem Essay von Krista Hauser (Innsbruck 1990) 32, 33 (Abb.).

 

Günther Dankl