Enthauptung der Heiligen Kosmas und Damian, um 1475/80  

Enthauptung der Heiligen Kosmas und Damian, um 1475/80

 

Friedrich Pacher (Neustift bei Brixen um 1440/50-1508 Bruneck)
Öltempera auf Zirbe, 70,5 x 74,5 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 1291

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Die beiden Märtyrer sind an den vorderen Bildrand gerückt, eine Dreiergruppe mit dem Präfekten Lysias schließt links, eine Felsenlandschaft rechts die Szene ab. Dominierend in der Bildmitte holt der Henker mit dem von beiden Händen geführten Schwert zum todbringenden Hieb aus. Bei den beiden Märtyrern könnte es sich um die Zwillingsbrüder Kosmas und Damian, Ärzte aus Ägea in Kilikien, handeln. In der diokletianischen Verfolgung wurden sie unter dem Präfekten Lysias nach mehrfachem Martyrium um 303 enthauptet. Die Szene wird in eine naturalistische Wiesen- und Waldlandschaft gesetzt, in der Ferne erscheint eine mittelalterliche Stadt, das Gebirge am Horizont ragt in den Goldhintergrund. Die Drapierung der roten Schärpe verleiht der Figur eine dekorativ-dynamische Wirkung. Die Gesichts- und Handmodellierungen sind mit graphisch gezeichneten Höhungen markiert, die Schattenpartien in den Gewändern durch Schraffuren bestimmt. Komposition, Kolorit und malerischer Duktus weisen das Tafelbild als Werk Friedrich Pachers aus. Seine Orientierung auf die italienische Malerei, speziell auf Ferrara (Cosimo Tura) wird in den Gesichtsmodellierungen deutlich. Ebenso werden aber auch Parallelen zu Michael Pacher augenscheinlich: Der links stehende Präfekt gleicht in vielem dem Hohepriester am linken Außenflügel des Kirchenväteraltares (1477/79), und der Scherge in der rechten Dreiergruppe erscheint fast wörtlich in der Geißelung Christi des Salzburger Altares (1496/98). Oberhammer, 45, und Stange, 185, verweisen auf die für Friedrich Pacher vorbildhafte Kunst Ferraras und Venedigs.

 

Der Wiener Rechtsanwalt Dr. Friedrich Köhler, zum Abwesenheitskurator für Oskar Bondy bzw. dessen Erben bestellt, war mit der Rückführung der im Ferdinandeum und im Tiroler Volkskunstmuseum verwahrten Objekte betraut. In der vom Bundesdenkmalamt zusammengestellten Liste der beschlagnahmten Kunstwerke scheint unter der Ordnungsnummer 16b das Gemälde "Enthauptung eines Heiligen, Werkst. d. Friedrich Pacher" auf (MA 1946, 43). Die Erben wurden um Überlassung von sechs Gläsern und eines Bildes aus der Pacher-Schule gebeten (Protokoll der Ausschusssitzung am 26. Juni 1947). Vier Gläser wurden zum Geschenk gemacht; - sie werden nun restituiert (mehr dazu unter 1947). Das vorliegende Gemälde und das Tafelbild des Apostelabschieds vom Meister von Uttenheim wurden aber gegen die Gemälde niederländischer Meister (Mathijs Naiveu, Kinder mit Seifenblasen; Berckheyde, Mädchen in Gesellschaft junger Männer beim Kartenspiel) getauscht (Protokoll der Ausschusssitzung am 23. Jänner 1948). Das vorliegende Gemälde wurde im Erwerbungsbuch unter dem 9. März 1948 als Nr. 13 der Gemälde notiert.


Meister von Uttenheim, Apostelabschied, um 1480
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. 1969



Literatur
Vinzenz Oberhammer, Gotik in Tirol, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1950 (Innsbruck 1950) 45, Kat.Nr. 114. - Alfred Stange, Deutsche Malerei der Gotik X (Berlin 1960) 185. - Gert Ammann, Spätgotik in Tirol, Katalog Österreichische Galerie Wien 1973 (Wien 1973) 68f, Kat.Nr. 21.

 

Gert Ammann.