Bergung der Sammlungen, 1939/44  

Bergung der Sammlungen, 1939/44

 

abgebildet: Luftschutzmaßnahmen am Ferdinandeumsgebäude

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Bereits im Herbst 1939 führte man im Ferdinandeum verschiedene Luftschutzmaßnahmen durch. So wurden u. a. die wichtigsten Kunstwerke in einem gewölbten Raum der Bibliothek geborgen (Verhandlungsschrift zur Ausschusssitzung 28. September 1939).

 

Bis April 1942 verblieben die Sammlungen im Museum, da die Gefahr einer Auslagerung zu diesem Zeitpunkt größer gewesen wäre als das Risiko eines Luftangriffes auf die Stadt. Nach Bombardements auf deutsche Städte begann Vorstand Dr. Oswald Trapp (damals gleichzeitig Gaukonservator) mit konkreteren Maßnahmen. Dabei wurde er zunächst vom Reichsstatthalter Franz Hofer behindert, der Innsbruck für zu abgelegen hielt und "weil es schon jetzt außerhalb der Gefahrenzone liege".

 

Nach einigen Angriffen auf kleine entlegene Orte ordnete Hofer die Auslagerung dann doch an (Verhandlungsschrift zur Ausschusssitzung 14. Mai 1942). Durch die geleisteten Vorarbeiten konnte der Abtransport rasch durchgeführt werden.

 

Die wertvollsten Plastiken, Gemälde, Instrumente etc. wurden zunächst nach Ambras gebracht. Durch die neu errichtete Umfahrungslinie der Bahn, die knapp am Dorf Amras vorbeiführte, beförderte man im März 1944 den Bestand innerhalb kürzester Zeit in das aufgelassene Kloster Stams.

 

Schloss Tratzberg nahm die Waffensammlung, die Geographische Sammlung, Restbestände der Patriotischen Sammlung und die Numismatische Sammlung auf. In Siegmundsried konnten Teile des Kunstgewerbes, der Bibliothek und die Musikalien, im Ansitz Schneeberg bei Trins die Botanische sowie die Graphische Sammlung und der Verfasser- und Wappenkatalog der Bibliothek, im Turm von Schönwörth und in St. Martin bei Schwaz Bibliotheksbestände, in der Burg Lichtenwerth die Prähistorische Sammlung, in Schloss Friedberg Teile der Plastik- und Kunstgewerbesammlung, der Fischnaler'sche Bibliothekskatalog (mehr dazu unter 1909) und privater Kunstbesitz, in Schloss Matzen ein Teil der Plastiksammlung und im ehemaligen Schloss in Fügen Teile der Gemäldesammlung untergebracht werden. Die Geologische Sammlung und die Zoologische Sammlung verblieben im Museum (Verhandlungsschriften zu den Ausschusssitzungen 14. September 1943, 13. November 1944).

 

Die Luftschutzmaßnahmen für das Museumsgebäude selbst bestanden aus der Anschaffung von Sandsäcken sowie Wasserhandspritzen und dem Zumauern von Fenstern. Alle Bergungsmaßnahmen, die hauptsächlich von den weiblichen Arbeitskräften durchgeführt werden mussten, waren im Winter 1944 abgeschlossen. Bewährt haben sich die Vorkehrungen im darauf folgenden Jahr, als das Ferdinandeumsgebäude von Bomben getroffen wurde.


Das vom Künstler Hans Andre (1902-1991) kurz vor der Auslagerung der Bestände im Auftrag des Ferdinandeums neu geschaffene Exlibris
Bibliothek, Exlibris-Sammlung (ohne Inv.Nr.)
Mehr zu Exlibris unter 1950



Literatur
Oswald Trapp, Die Kunstdenkmäler Tirols in Not und Gefahr. Bericht des Landeskonservators über die Geschehnisse in den Jahren 1938-1945 (Innsbruck-Wien 1947) 63ff. - Erich Egg, Chronik des Ferdinandeums 1823 bis 1973, in: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum 53 (1973) 78-81. - Josef Riedmann, Das Bundesland Tirol (1918-1970) (Geschichte des Landes Tirol 4/II, Bozen-Innsbruck-Wien 1988).

 

Claudia Sporer-Heis