Seeschlacht zwischen Spaniern und Engländern, 1601  

Seeschlacht zwischen Spaniern und Engländern, 1601

 

Hendrick Cornelisz. Vroom (Haarlem 1566-1610 Haarlem)
Öl auf Leinwand, 90,7 x 152,2 cm
bez. li. u. am Segelschiff: VROOM 160. [1601 ?]

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 1668

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Hendrick Cornelisz. Vroom gilt als Begründer der holländischen Marinemalerei. Das Gemälde dokumentiert aus der Vogelperspektive die Seeschlacht zwischen der englischen und spanischen Kriegsflotte. Da zwischen der Schlacht 1588 und der Entstehung des Bildes ungefähr 13 Jahre liegen, muss Vroom seine detaillierten Kenntnisse der Ereignisse, der technischen Ausrüstung der Schiffe sowie die exakten topographischen Angaben aus authentischen Berichten bezogen haben. So malte er am Horizont die Stadtsilhouetten von Nieuwport und Dünkirchen und stellte akribisch das Aussehen der Kriegsschiffe, die Zahl ihrer Masten und Kanonen sowie die Art ihrer Takelagen dar.

 

Zwischen den Flotten sind sechs Brandschiffe, "Brandner", zu sehen, die am siebenten Tag der Seeschlacht - in der Nacht vom 7. auf den 8. August 1588 - von den Engländern in der Nähe von Calais gegen die spanische Armada eingesetzt wurden und deren entscheidenden Sieg herbeiführten.

 

1943 kam das Legat des Innsbrucker Juweliers Bernhard Höfel - einem langjährigen Ausschussmitglied des Ferdinandeums - an das Tiroler Landesmuseum. Dieses großzügige Vermächtnis beinhaltete neben Münzen, Uhren, Schmuckstücken, Dosen, Gläsern, Porzellan und Zinngegenständen seine gesamte Bibliothek, die 3170 Bände umfasste, sowie 129 Gemälde (MA 1943, 46; Ausschusssitzung 14. September 1943; Generalversammlung 16. Juli 1945; Innsbrucker Nachrichten 49 (27. Februar 1943) 4). Unter dieser stattlichen Anzahl von Bildwerken befand sich neben Arbeiten von Josef Schöpf, Christoph Unterberger, Paul Troger, Johann Georg Dominikus Grasmair, Christoph Amberger u. v. a. m. auch die damals noch nicht restaurierte, stark verschmutzte und daher noch unerkannte Darstellung des siebenten Tages der Seeschlacht zwischen der spanischen Armada und den Engländern von Hendrick Cornelisz. Vroom, die heute als eines der frühesten erhaltenen Beispiele der in den Niederlanden entwickelten Marinemalerei gilt. Deshalb, aber auch wegen der großen Bedeutung dieses Werkes als Abbildungsvorlage zur Dokumentation der historischen Ereignisse der Schlacht in Fach- und Schulbüchern, lässt sich der hohe öffentliche Bekanntheitsgrad und der daraus resultierende Stellenwert ermessen, der ihm innerhalb der Sammlung niederländischer Meister im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zukommt.


Christoph Amberger (1500/10-1561/62), Mädchenbildnis, um 1530. Ein weiteres Beispiel aus dem Legat Bernhard Höfels, 1943
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1285



Literatur
Laurens J. Bol, Die holländischen Marinemaler des 17. Jahrhunderts (Braunschweig 1973) 11-28, Abb. 6. - M. Russel, Visions of the Sea. Hendrick C. Vroom and the Origins of Dutch Marine Painting (Leiden 1983) 146, 149, 151, Abb. 133. - Armada 1588-1988, Katalog National Maritime Museum Greenwich London 1988 / Ulster Museum Botanic Gardens Belfast 1988/89 (London 1988) Kat.Nr. 14.28, Abb. Tafel 253. - Die Angaben im Text beziehen sich hauptsächlich auf die Bearbeitung des Werkes von Gregor J. M. Weber, in: Bestandskatalog der Niederländer-Sammlung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (in Vorbereitung) Kat.Nr. 74, mit Abb.

 

Eleonore Gürtler