Christi Auferstehung, 1923/24  

Christi Auferstehung, 1923/24

 

Albin Egger-Lienz (Stribach, Gemeinde Dölsach 1868-1926 St. Justina)
Öl auf Leinwand, 197 x 247 cm
bez. li. u.: Egger Lienz 1924; re. u.: CHRISTI AUERSTEHUNG

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 1297

Leihgabe Land Tirol

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Inmitten der bäuerlichen Familie entsteigt Christus dem geöffneten Holzsarg. Sein Körper ist zentral in die Bildfläche gesetzt, umspannt die gesamte Höhe und wird formal durch seine vertikale Position auch zum inhaltlichen Orientierungsprinzip. Alle Figuren sind frontal zum Betrachter ausgerichtet und, in die Tiefe des Raumes gestaffelt, in verschiedene Bildebenen eingegliedert. Die Bauernstube bildet bei Egger-Lienz das Raumgefüge vor allem für die spät entstandenen Gemälde. Die Positionen des Tisches und der quergestellten Bank erinnern an die Gemälde "Die Mütter" und "Das Tischgebet". Die beiden geöffneten Schalen des Sarges stehen in ihrer waagrechten Lage der senkrechten Linie des Körpers Christi entgegen. Die Malweise spiegelt eine stark auf die Konturlinie konzentrierte Umzeichnung der Figuren, der Möbel und des Sarges wider. Die Modellierung der Kleider erscheint in ausgebreiteter Stofflichkeit, die des nackten Körpers Christi ist von einer prägnanten Licht- und Schattenwirkung bestimmt. In den Gesamtklang der tonigen, fast monochromen Farbgebung leuchten das Gelb der beiden Lichtstrahlen am Haupt Christi und das Rot an der Wange des Kindes als symbolhafte Signale des Lebens.

 

Wie sehr sich Egger-Lienz seit Februar 1923 diesem großen Thema gewidmet hatte, wird in einigen Briefzitaten deutlich: "Die ,Auferstehung' ist ein Lichtproblem (ohne impressionistisch zu sein) mit klarster, sachlichster Formgebung" (an Hammer 1923, nach Kirschl, 419) und später an Kunz (1923): "Die Auferstehung ist nun noch mehr ,Bild' Symbol geworden, indem er nicht mehr aus dem Sarg steigt, sondern, wie ich ihn zuerst dachte, davor steht" (Kirschl, 419).

 

Die Komposition des Auferstandenen diente ihm auch als Vorbild für das Fresko in der Kriegergedächtniskapelle in Lienz (1925), wo Egger-Lienz aber wieder auf den traditionellen Typus des Auferstandenen mit Nimbus und Fahne zurückgriff.

 

Das Gemälde wurde am 4. Juni 1942 aus dem Besitz der Witwe Eggers, Frau Laura Egger-Lienz, durch den Gauleiter und Reichsstatthalter in Tirol und Vorarlberg angekauft (MA 1942, 186) und am 7. August 1942 dem Ferdinandeum als Leihgabe übergeben. Damit ist sicherlich das bedeutendste Spätwerk von Egger-Lienz in einer öffentlichen Sammlung präsent geworden.

 

Mehr zu Albin Egger-Lienz unter 1928


Albin Egger-Lienz, Die Mütter, 1922/23
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1296



Literatur
Giorgio Nicodemi, Albino Egger-Lienz (Brescia o. J.) 28f, Werkverzeichnis 34, Abb. 61. - Josef Soyka, A. Egger-Lienz. Leben und Werk (Wien 1925) 58, Werkverzeichnis 64, Abb. 46. - Heinrich Hammer, Albin Egger-Lienz (Innsbruck-Wien-München 1930) 226ff, 287, Abb. 231. - Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz. Das Gesamtwerk (2. Aufl., Wien 1996) 418-425, M 607, Abb. 427.

 

Gert Ammann