Käfersammlung Hermann Knabl  

Käfersammlung Hermann Knabl

 

Pfarrer Hermann Knabl (Innsbruck 1880-1940 Füssen)
Sammlungskastenkompartiment mit Käfern
Puppenräuber (Calosoma spp.)
11,5 x 9,5 cm

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Inv.-Nr. Sammlung Knabl

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Laufkäfer der Gattung Calosoma, die so genannten Puppenräuber, zählen in Nordtirol zu den eher selteneren Erscheinungen und sind nur mit einer Art, dem Großen Puppenräuber, vertreten. Weitere mitteleuropäische Arten finden sich vor allem in wärmebegünstigten, südlichen und östlichen Teilarealen. Die Käfer ernähren sich räuberisch von Raupen und Puppen forstschädlicher Schmetterlinge, wobei sie in einer Saison ca. 400 Exemplare fressen. Die dementsprechend nützlichen Insekten sind gesetzlich geschützt.

 

Die Erforschung dieser und aller anderen Käferarten Tirols war die Lebensaufgabe des Naturliebhabers Hermann Knabl. Hermann Knabl war als Pfarrer in mehreren Tiroler Landgemeinden tätig, vor allem in Gramais im Lechtal. In seiner Freizeit widmete er sich intensiv der Erforschung der Käferfauna Tirols. Dabei wurde aber nicht nur Wert auf die Anlage einer umfangreichen Referenzsammlung gelegt, sondern auch die wissenschaftliche Auswertung der Beobachtungen intensiv betrieben. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Coleopterologen Josef Ammann führte zu zwei bedeutenden, faunistisch orientierten Arbeiten über die Käferfauna des Ötztales und des nordwestlichen Tirol (Ammann / Knabl 1912-1913, 1922-1923). Seine in späteren Jahren intensive Kooperation mit anderen Wissenschaftlern und Anleitung weiterer Sammler wie u. a. Professor Dr. Franz Kofler, Pfarrer Nikolaus Lechleitner und Oberlehrer Otto Rief führte zu einem hohen regionalen Kenntnisstand über die Käferfauna des Lechtales und fand in vielen auf Knabls Material basierenden Publikationen ihren Niederschlag. Weitere unpublizierte, umfangreiche Tagebucheinträge z. B. aus dem Gebiet von Sterzing, wo Knabl 1909 und 1910 weilte, waren für nachfolgende Forscher wichtige Grundlagenerhebungen (Peez / Kahlen 1977).

 

Die dem Ferdinandeum 1940 übermittelte umfangreiche Käfersammlung umfasste ursprünglich rund 50.000 Exemplare (Egg 1973, 79). Sie litt in den turbulenten Kriegsjahren stark unter Schadinsektenfraß und wurde am 6. August 1985 durch die Überschwemmungskatastrophe arg in Mitleidenschaft gezogen. Die verbliebenen Sammlungsteile sind aber eine bedeutende Basis für die inzwischen EDV-verwaltete Dokumentation über Rückgang und Gefährdungsursachen der Tiroler Fauna. Mit insgesamt rund 250.000 Exemplaren bilden die coleopterologischen Sammlungsbestände einen der größten Fachbereiche der Naturwissenschaften am Ferdinandeum und werden wissenschaftlich durch freie Mitarbeiter, allen voran Herrn Manfred Kahlen, vorbildlich betreut.


Literatur
Josef Ammann / Hermann Knabl, Die Käferfauna des Ötztales (Tirol), in: Coleopterologische Rundschau 1 (1912) 36ff und 2 (1913) 16ff. - Josef Ammann / Hermann Knabl, Die Käfer des nordwestlichen Tirol, in: Entomologische Blätter 18 (1922) 28ff und 19 (1923) 1ff. - Erich Egg, Chronik des Ferdinandeums 1823-1973, in: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum 53 (1973) 5-93. - Alexander von Peez / Manfred Kahlen, Die Käfer von Südtirol, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Supplementband 2 (1977) 1-525.

 

Peter Huemer