Fahne der Schwazer Knappen, 1499/1508  

Fahne der Schwazer Knappen, 1499/1508

 

Tiroler Maler (Jörg Kölderer ?)
Öl auf Leinwand, 196 x 142 cm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Fahnen 6

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Auf beide Seiten der aus zwei Stoffbahnen bestehenden Leinwand ist das gleiche Fahnenbild gemalt. Im Zentrum befindet sich der Tiroler Adler, über diesem sind der österreichische Bindenschild und der schwarze Adler des Römischen Königs dargestellt. Das rechte Wappen - vermutlich das Bergwerkswappen mit Schlegel und Eisen - fehlt. Links vom Tiroler Adler sind der hl. Georg als Drachentöter und darunter ein kniender Bergknappe zu sehen.

 

Das Banner stammt aus maximilianischer Zeit und ist aufgrund der Darstellung des Wappens des Römischen Königs noch in die Zeit vor der Annahme des Kaisertitels (1508) zu datieren. Es handelt sich damit um die älteste erhaltene Fahne im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Wegen des abgebildeten Bergmannes wird sie als Feldzeichen der Schwazer Knappen - möglicherweise des "Stählernen Haufens" - identifiziert: Im Krieg König Maximilians gegen die Schweizer im Jahr 1499 zogen 1000 Schwazer Bergleute, ausgerüstet mit 897 langen Spießen, 27 Hellebarden und 48 Handbüchsen, in die Schlacht (Egg 1986, 141). Der Knappe - in der damals noch üblichen hellen Bergmannstracht - kniet vor dem geharnischten hl. Georg, der zu dieser Zeit noch als Patron des Landes Tirol verehrt wurde.

 

Am 7. Februar 1939 richtet der damalige Vorstand des Ferdinandeums Dr. Oswald Trapp an das Bayerische Nationalmuseum in München die Anfrage, ob diese Fahne zu erwerben sei. Der Direktor des Nationalmuseums befürwortet grundsätzlich den Verkauf, da die Fahne ohnehin keine Beziehungen zu den anderen Sammlungsgebieten habe, und setzt die Kaufsumme mit RM 20.000,- fest. Trapp ersucht daraufhin um Reduzierung des Preises auf RM 12.000,- und bittet außerdem um die Möglichkeit der Ratenzahlung. Das Bayerische Nationalmuseum teilt daraufhin die Genehmigung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus mit: "Es wird genehmigt, dass an das Tiroler Landesmuseum in Jnnsbruck eine Fahne der Schwazer Bergknappen zum Preis von 12000 RM (zwölftausend Reichsmark) verkauft wird. Der Kaufpreis ist bei der Übergabe in einer Summe zu zahlen." (MA 1939, 77/IV)

 

Da im Juli und August 1939 eine große Ausstellung über die Neuerwerbungen des Ferdinandeums stattfinden soll, wobei dieses Stück keinesfalls fehlen sollte, einigt man sich im Juni auf die Zahlung von RM 6000,- bei der Übergabe und die Begleichung des Restbetrages bis 1. Dezember 1939 (MA 1939, 77/VII).

 

Diese Fahne der Schwazer Knappen ist schon wegen ihres Alters, aber auch aufgrund der künstlerischen Qualität als das Spitzenobjekt der Sammlung historischer Fahnen zu sehen.


Landsknechte vor dem Gefecht, Ausschnitt aus dem Schwazer Bergbuch, 1556
Mehr zum Schwazer Bergbuch unter 1872



Literatur
Vinzenz Oberhammer, Neuerwerbungen 1938/39, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1939 (Innsbruck 1939) 52f. - Erich Egg / Peter Gstrein / Hans Sternad, Stadtbuch Schwaz. Natur - Bergbau - Geschichte (Schwaz 1986) 141. - Silber, Erz und Weißes Gold. Bergbau in Tirol, Katalog Tiroler Landesausstellung Franziskanerkloster Schwaz 1990 (Innsbruck 1990) Kat.Nr. 3.39. - Erich Egg / Wolfgang Pfaundler, Kaiser Maximilian I. und Tirol (2. Aufl., Innsbruck 1992) 32-35.

 

Claudia Sporer-Heis