Münzsammlung Arthur Graf Enzenberg  

Münzsammlung Arthur Graf Enzenberg

 

13. bis 19. Jahrhundert
Auswahl aus dem Bestand von ca. 3150 Münzen unterschiedlicher Werte der verschiedenen Münzstätten auf dem Boden Alt-Tirols; landesfürstliche bzw. kaiserliche Gepräge 15. Jahrhundert bis Anfang 19. Jahrhundert; landesfürstliche und private Raitpfennige; Medaillen

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Münzen, Medaillen, Abzeichen

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Das Ferdinandeum besaß zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts als Ergebnis seiner bis dahin rund 110-jährigen Sammeltätigkeit die zweitgrößte Sammlung tirolischer Münzen und Medaillen. Die kleinen Münzsorten nicht miteingerechnet, umfasste der Bestand rund 1500 Objekte, wobei teils sehr wertvolle Stücke vorhanden waren. Die Sammlung war durch verständige Fachdirektoren wie Professor Arnold Busson (1875-1891) gezielt ausgebaut oder durch Schenkungen wie das Legat von Josef von Reinhart zu Thurnfels (1853) ausgebaut worden (Moeser, 40f, MA 1934, 80).

 

Arthur Graf Enzenberg (1841-1925) betreute in seinem Ruhestand durch viele Jahre die Münzsammlung des Ferdinandeums. Es war wohl in seinem Sinn, wenn nach seinem Ableben (1925) der Neffe und Erbe, Sighard Graf Enzenberg, alle Münzen und Medaillen tirolischer Provenienz aus der umfangreichen Enzenberg-Sammlung dem Ferdinandeum übergab. Dafür erhielt dieser alle Doppelstücke an Münzen und Medaillen zur freien Verfügung (JB 1934, IX).

 

Bei den Verhandlungen hatte Dr. Ludwig von Berg eine wichtige Rolle gespielt. Er war es auch, der als äußerst kompetenter Numismatiker Sichtung, Ordnung und Inventarisierung der vereinigten Sammlungen vornahm (JB 1934, XII). Durch die Vereinigung mit dem Bestand Enzenberg vergrößerte sich die Münzsammlung des Museums mit einem Schlag auf rund 3000 Stück größerer Münzen. Der Bedeutung und dem materiellen Wert nach wurde berechtigterweise ein Vergleich mit den Legaten der Familie Wieser (mehr dazu unter 1886 und 1888) und dem Legat Tschager (mehr dazu unter 1856) angestellt.

 

Die Museumssammlung erhielt sehr wichtige Ergänzungen zum mittelalterlichen Geldwesen und viele Gepräge aus dem 16. Jahrhundert. In der Enzenberg-Sammlung befanden sich weiters sehr viele Goldmünzen, von denen man noch verhältnismäßig wenige besaß, weiters zahlreiche Unikate und ein umfangreicher Bestand an Raitpfennigen.

 

Die bedeutende Stellung der vereinigten Münzsammlungen geht aus den geradezu euphorisch klingenden Worten im Jahresbericht von 1934 hervor: "Es ist klar, daß es für die Erforschung des Tiroler Münzwesens von höchster Wichtigkeit ist, daß ein so ungeheures Material an einem Ort vereinigt wird, noch dazu an einem Ort, wo die wichtigsten Quellen lagern, und daß abgesehen vom Wertzuwachs, der in der Geschichte des Museums ganz vereinzelt dasteht, ein überragend hoher ideeller Wert gegeben ist, der durch das Museum sozusagen als Treuhänder dem Lande Tirol und seiner Wissenschaft gesichert bleibt." (JB 1934, XI)

 

Mehr zur Enzenberg-Sammlung unter Chronik 1935 und Chronik 1936


Arthur Graf Enzenberg (1841-1925), langjähriger Betreuer der Münzsammlung des Ferdinandeums
Abbildung aus: Der Schlern 3 (1925)



Literatur
Karl Moeser, Wie die Sammlung von Münzen und Medaillen entstand, in: Tirol. Natur - Kunst - Volk - Leben 12/13 (1930) 40-45. - Ulrich von Berg, Die Münzen- und Medaillensammlung weiland des Artur Grafen v. Enzenberg 2 (München o. J.). - Josef Weingartner, Artur Graf Enzenberg , in: Der Schlern 3 (1925) 69ff.

 

Meinrad Pizzinini