Griffzungenmesser Typus Pfatten  

Griffzungenmesser Typus Pfatten

 

11. Jahrhundert v. Chr.
Innsbruck-Hötting II, Grab 1
Bronze, Bein, L 23,7 cm, max. B Klinge 2,5 cm

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 12.127

Bild vergrößern ...

 


Rund 800 urnenfelderzeitliche Brandgräber von verschiedenen Fundplätzen Nordtirols im Depotbestand der Vor- und Frühgeschichtlichen und Provinzialrömischen Sammlungen dokumentieren in Verbindung mit den zahlreichen zeitgleichen Einzelfunden die dichte Besiedlung und wirtschaftliche Blüte Nordtirols in der Spätbronzezeit (Mitte 14. Jh. - Mitte 8. Jh. v. Chr.), die im Vergleich zum weitaus geringeren Fundbestand der folgenden älteren Eisenzeit (Mitte 8. Jh. - Anfang 5. Jh. v. Chr.) - abgesehen vom großen Brandgräberfeld Wörgl-Egerndorfer Feld - zusätzlich unterstrichen wird. Einer der Gründe für den Besiedlungsrückgang lag vermutlich in der schwindenden Rentabilität des Kupferbergbaus durch zunehmende Erschöpfung der erschlossenen Lagerstätten.

 

Die urnenfelderzeitlichen Gräberfelder im Inntal deuten durch ihre Lage auch im Mündungsbereich der Seitentäler die Hauptverkehrs- und Handelswege an. Allein im Stadtgebiet von Innsbruck sind sechs Friedhöfe bekannt geworden, so z. B. auch in Hötting im Jahre 1925 durch den Bau des Gemeindehauses. Der spätere Ordinarius für Urgeschichte an der Universität Marburg a. d. Lahn, Univ.-Prof. Dr. Gero von Merhart, der, 1924 zum Fachdirektor ernannt, mit der Ordnung, Inventarisierung der vor- und frühgeschichtlichen Depotbestände sowie mit der Neuaufstellung der Schausammlung betraut worden war, führte eine erste Grabungskampagne in diesem Gräberfeld "Hötting II" durch (Wagner, 78f), eine weitere Rettungsgrabung unter der Leitung von ao. Univ.-Prof. Dr. Liselotte Zemmer-Plank erforderte der Grundaushub für den städtischen Mehrzweckbau im Jahre 1977 (EB 1977; JB 1977, 212; 219).

 

Die Funde der Grabung 1925 gelangten durch Schenkung der damaligen Gemeinde Hötting ins Ferdinandeum (JB 1920/21-1926/27, XXIII), 1929 überließ Bürgermeister Dr. Andreas Graßmaier die Beigaben von Grab 1 - eine Kugelkopfnadel und das Griffzungenmesser vom Typus Pfatten mit erhaltener Beineinlage (EB 1929). Der nach dem Brandgräberfeld von Pfatten im Bozner Unterland benannte Messertyp (Müller-Karpe, 139ff; Bianco Peroni, 21ff) lässt sich auch aufgrund von Befunden aus den Gräberfeldern von Innsbruck-Wilten und Mühlau, Mühlbachl und Volders in das 11. Jahrhundert v. Chr. datieren. Kennzeichnend sind das scheintordierte Zwischenstück zwischen Klinge und Griff sowie der ausgeprägte Klingenschwung.


Literatur
Karl Heinz Wagner, Nordtiroler Urnenfelder (Römisch-Germanische Forschungen 15, Berlin 1943). - Hermann Müller-Karpe, Beiträge zur Urnenfelderzeit nördlich und südlich der Alpen (Römisch-Germanische Forschungen 22, Berlin 1959). - Vera Bianco Peroni, Die Messer in Italien / I coltelli nell'Italia continentale (Prähistorische Bronzefunde VII/2, München 1976).

 

Wolfgang Sölder