Südtiroler Fremdenverkehrswerbung  

Südtiroler Fremdenverkehrswerbung

 

C[arl] F[elix] Wolff, Southern Tyrol, Kingdom of Italy, Province of Venezia Tridentina. A brief Hand-Book for Travellers. With nine Illustrations in Colour (of which eight after paintings of R. Wolff in Bozen) (Bozen 1923)
Bibliothek, FB 13.319
C[arl] F[elix] Wolff, Guida delle stazioni estive, balneari, climatiche e turistiche de l'Alto Adige. Pubblicata a cura della Federazione Movimento Forestieri Atesina. Con 14 illustrazioni riprodotte da quadri originali del pittore accademico R. Wolff (Bolzano 1923)

Bibliothek, Inv.-Nr. W 16.588

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"La parte più settentrionale del regno d'Italia chiamasi ,Alto Adige'." - "Where lies Southern Tyrol? - Southern Tyrol lies on the southern slope of the Alps, and since the treaty of St. Germain it forms the utmost north of the kingdom of Italy." - Das sind die jeweils ersten Sätze der italienischen und englischen Broschüre, die aktuell nach ihrem Erscheinen vom Fremdenverkehrsverein in Bozen als Geschenk (zusammen mit der niederländischen Ausgabe, die mit der englischen inhaltlich weitgehend übereinstimmt) an das Tiroler Landesmuseum nach Innsbruck kamen. - Abgesehen von diesen einleitenden Feststellungen kommt die Politik nur noch einmal in der italienischen Fassung zur Sprache: "In questa esposizione i nomi delle località dovevano essere indicati secondo il relativo decreto governativo - coll'aggiunta fra parentesi del nome tedesco ..."; - die englische und die niederländische Ausgabe verwenden unkommentiert ausschließlich deutsche Ortsnamen.

 

Wenigstens nach außen sollte das Bild des geruh- und erholsamen, friedvollen, auch ein wenig mondänen Urlaubslandes (lediglich die ersten Hoteladressen sind mit Werbeeinschaltungen vertreten) gewahrt bleiben. Wie es der Südtiroler Bevölkerung "im Würgegriff von Faschismus und Nationalsozialismus" (Gruber) wirklich ging, hatte in Werbebroschüren dieser Art keinen Platz! Sie unterscheiden sich auch kaum von jenen Gebietsführern, die Carl Felix Wolff (Karlstadt 1879-1966 Bozen), bis heute vor allem bekannt als Sammler der Dolomitensagen (erstmals gedruckt 1913), schon in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg verfasst hat. Bereits damals lieferte sein Bruder Richard Wolff (1880-1964), bekannt als "Rosengartenmaler" bzw. "Maler des Alpenglühens", die Vorlagen für die beigegebenen Farbabbildungen. Unpubliziertes von beiden liegt u. a. in der Nachlasssammlung des Ferdinandeums.

 

In zweierlei Hinsicht sind diese drei Broschüren für die Bibliothek charakteristisch: In St. Germain wurden 1919 zwar neue politische Grenzen gezogen, diese begrenzten jedoch die Sammelpolitik der Bibliothek nicht; nicht nur über den Buchhandel vertriebene Literatur findet sich in den Regalen, sondern auch so genannte "graue Literatur" wie z. B. "gratis!" (siehe Aufdruck auf der italienischen Ausgabe) verteilte Fremdenverkehrsprospekte, Vereinsschriften und dergleichen.


Karl (sic!) Felix Wolff, Verkeers-, Hotel- en Zomerverblijf-Gids voor Zuid-Tirol (Koninkrijk Italië) ... (Bozen 1922)
Bibliothek, FB 14.513



Literatur
Zu Carl Felix Wolff: Karl Felix Wolff, Aus meinem Leben, in: Schöpferisches Tirol 3. F.: Dichtung 2 (Innsbruck 1963) 389-405. - Zu Richard Wolff: Karl Felix [Wolff], Der Maler Richard Wolff , in: Der Schlern 38 (Bozen 1964) 71-73. - Eva Klein, I fratelli Wolff, in: Letture trentine e altoatesine 37 (Trento 1984) 26f. - Alfons Gruber, Im Würgegriff von Faschismus und Nationalsozialismus - Südtirol zwischen 1919 und 1939. In: Meinrad Pizzinini (Hg.), Zeitgeschichte Tirols (Innsbruck-Wien-Bozen 1990) 88-110.

 

Ellen Hastaba