Monument Erzherzog Leopolds V., nach 1826  

Monument Erzherzog Leopolds V., nach 1826

 

Johann Georg Schädler (Konstanz 1777-1866 Innsbruck)
Radierung, 200 x 164 mm, aquarelliert
sign. li. u.: G. Schaedler f.

Bibliothek, Inv.-Nr. W 22.242

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Das gedruckte Zuwachsverzeichnis über die Jahre 1920/21-1926/27 füllt für alle Sammlungsbereiche nicht mehr als neun Seiten, obwohl alle Erwerbungen (außer die der Bibliothek) einzeln aufgeführt sind. "Die Bibliothek ... erhielt zahlreiche Verlagswerke von seiten der tirolischen und auswärtigen Verleger, sowie von Autoren, welche die Museums-Bibliothek benützten. Mit Rücksicht auf die spärlichen Mittel, die für die Bibliothek zur Verfügung standen, und die bedauerliche Steigerung der Bücherpreise mußte man sich insbesondere in den ersten Nachkriegsjahren auf den Bezug der Fortsetzungswerke und der notwendigsten Zeitschriften beschränken. Der Tauschverkehr mit den Tauschvereinen, soweit dieselben noch bestehen, wurde fast vollständig aufrechterhalten." (JB 1920/21-1926/27, XXVIII)

 

Lediglich das Erwerbungsbuch nennt dieses Schädler-Blatt: "gek. v. Frau Anna Ceconi f. K. 5000." So hoch die gezahlte Summe klingt, so war das Blatt sicherlich nicht überbezahlt: Der Betrag ist Zeuge der weltwirtschaftskrisengeschüttelten Zeit.

 

Obwohl das Blatt nicht zu den besten Werken des seit 1804 in Innsbruck ansässigen Schädler zählt, zeigt es eine historisch interessante Situation: Caspar Gras schuf die Figuren (gegossen von Heinrich und Friedrich Reinhart; mehr zu C. Gras und H. Reinhart unter 1914) zu einem Lustbrunnen für Leopold V. zwischen 1622 und 1630. Nachdem der Plan für die ursprüngliche Gestaltung verlorengegangen war, erhielt er 1893 durch Johann Wunibald Deininger seine heutige, nicht unumstrittene Form. In den 260 Jahren dazwischen ereilten die Figuren wechselhafte Geschicke: Sie wurden einzeln oder in Gruppen im Hofgarten oder auf dem Rennweg aufgestellt, nach München entführt (nur die Reiterstatue, 1703-1705), z. T. verkauft (eine Wasserschale, 1780, um vom Erlös im Hofgarten hölzerne Zäune und Bänke aufzustellen), von sittenstrengen Tirolern von den Sockeln gestürzt (die leichtbekleideten Musen und Göttinnen, 1809), ins Depot verbannt (wo bereits die nackten Knaben lagen).

 

1797 wechselte das Reiterstandbild vom Hofgarten vor das Theater (begleitet von zwei bronzenen Damen). 1820 sollte es einen neuen Sockel erhalten, der angelieferte Stein war ungeeignet, sodass 1822 der durch Innsbruck reisende Kaiser Franz persönlich und auf eigene Kosten die Neuaufstellung anordnete. Am 26. Oktober 1826 - und nicht 1821, wie die Sockelinschrift auf dem Schädler'schen Blatt nahe legt - meldete der Tiroler Bote die Enthüllung des neuen, dem "hohen Kunstwerthe mehr entsprechende[n] Fußgestell[s]".

 

Schädler - Maler, Radierer und Besitzer des Katzung'schen Kaffeehauses - ist mit seinen Arbeiten (Ansichten, Trachtenbildern, Porträts) im Museum gut vertreten. Seit 1992 sind hier auch die Original-Brunnenfiguren, mit Ausnahme des Reiterstandbildes, zu bestaunen.


Johann Georg Schädler, Selbstporträt, 1816
Bibliothek, FB 6164



Literatur
[Bericht von der Enthüllung des Erzherzog-Leopold-Monuments vor dem k. k. Hoftheater], in: Der Kaiserlich Königlich privilegirte Bothe von und für Tirol und Vorarlberg 86 (26. 10. 1826) 341. - [Nachruf auf Johann Georg Schädler], in: Bothe für Tirol und Vorarlberg 267 (21. 11. 1866) 1114. - Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 29 (Wien 1875) 153f. - Konrad Fischnaler, Der Erzherzog Leopold-Brunnen. In: Derselbe, Geschichts-, Kultur- und Naturbilder aus Alttirol. Ausgewählte Schriften (Innsbruck 1936) 47-69. - Elisabeth Scheicher, Leopoldsbrunnen am Rennweg. In: Die Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck. Die Hofbauten (Österreichische Kunsttopographie XLVII, Wien o. J.) 465-472. - Ingo Nebehay / Robert Wagner, Bibliographie altösterreichischer Ansichtenwerke aus fünf Jahrhunderten. Die Monarchie in der topographischen Druckgraphik von der Schedel'schen Weltchronik bis zum Aufkommen der Photographie. Beschreibendes Verzeichnis der Ansichtenwerke III: R-Z (Graz 1983) 138f. - Franz Caramelle: Caspar Gras (Mergentheim 1585 - 1674 Schwaz). In: Ruhm und Sinnlichkeit. Innsbrucker Bronzeguß 1500-1650. Von Kaiser Maximilian I. bis Erzherzog Ferdinand Karl, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1996 (Innsbruck 1996) 166-273, bes. 270f, s. auch Kat.Nr. 88f.

 

Ellen Hastaba