Innsbrucker Kriegsflugblätter, 1914-1918  

Innsbrucker Kriegsflugblätter, 1914-1918

 

Herausgegeben von Oskar Blobel, Innsbruck
Buchdruckerei R. u. M. Jenny, Innsbruck
ca. 450 Stück (unvollständig), 33,8 x 20,8 cm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Flugschriften

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Unter den verhältnismäßig wenigen Neuerwerbungen des letzten Kriegsjahres 1918 befindet sich eine nicht vollständige Sammlung der "Innsbrucker Kriegsflugblätter" seit 1914. Ein nicht mit Namen bekannter fleißiger Sammler übergab die Blätter dem Museum, für das sie auf jeden Fall einen dokumentarischen Wert besitzen. Die letzten Nummern vom Jahr 1919 wurden später ergänzt. Spiegelt sich in den Kriegsflugblättern in erster Linie das aktuelle Tagesgeschehen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen und im Hinterland wider, so darf doch auch der geringe kulturgeschichtliche Wert der Kriegspropaganda nicht völlig übersehen werden.

 

Die "Innsbrucker Kriegsflugblätter" erschienen ab Kriegsbeginn im Sommer 1914, wobei im Durchschnitt zwei Nummern pro Woche herauskamen. Der Verkaufspreis betrug zunächst 20 Heller; die Einnahmen flossen der Verwundetenfürsorge zu.

 

Die Flugblätter beinhalten immer einen Text, oft in Form eines Gedichtes, und eine Illustration. Es fällt die starke Betonung des Deutschtums auf, was wohl aus der besonderen ethnischen und geographischen Situation Tirols zu verstehen ist. Appelle zur Einigkeit und zum Durchhalten in der momentanen schwierigen Situation sind weitere Merkmale der "Innsbrucker Kriegsflugblätter". Weiters soll der sinkenden patriotischen Begeisterung entgegengewirkt werden, dementsprechend werden militärische Erfolge und populäre Führungspersönlichkeiten gewürdigt (Webhofer, 48f).

 

Die "Innsbrucker Kriegsflugblätter" wurden im September 1919 eingestellt. Aus diesem Anlass ziehen die Innsbrucker Nachrichten, 20. September 1919, 4 gleichsam eine Bilanz: "Mit vorliegender Nummer 502, ,Friede', wurde das Erscheinen dieser aus dem Kriege hervorgegangenen Publikationen beschlossen. Zu den durchwegs vom Herausgeber Oskar Blobel stammenden Gedichten, in denen jeweils zu den wichtigsten Ereignissen und Tagesfragen Stellung genommen wird, hat in letzter Zeit nicht bloß Frl. Marie Bucek manche hübsche Zeichnung beigesteuert, sondern wir begegnen auf einer Reihe von Blättern auch kraftvollen, in ihrer Eigenart sehr wirksamen Illustrationen von Ernst Nepo. Die 502 Flugblätter, die O. Blobel vom ersten Kriegstage an regelmäßig erscheinen ließ, bilden in ihrer Gesamtheit eine Art von Geschichtsdokument, das einmal dem späteren Chronisten und Kriegslitteraturforscher viel Anregung bieten mag."


Zeichnung von Ernst Nepo auf einem der Innsbrucker Kriegsflugblätter
Historische Sammlungen, Flugschriften



Literatur
Konrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik III: Wissenschafts- und Literatur-Chronik (Innsbruck 1930) 57. - Josef Fontana, Vom Neubau bis zum Untergang der Habsburgermonarchie (Geschichte des Landes Tirol 3, Bozen-Innsbruck-Wien 1987). - Reinhold Webhofer, Patriotische Propaganda in Tirol während des Ersten Weltkrieges 1914-1918. Masch. phil. Diss. (Innsbruck 1995) bes. 48f.

 

Meinrad Pizzinini