Kriegsanleihe-Plakat, 1917  

Kriegsanleihe-Plakat, 1917

 

Albert Plattner (Zirl 1869-1919 Innsbruck)
Wagner'sche Universitäts-Buchdruckerei, Farblithographie, Eindruck in Buchdruck; 125,8 x 67,9 cm
bez. re. u.: Albert Plattner // 17; unten: Druck der Wagner'schen k. k. Univ.-Buchdruckerei in Innsbruck.

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Plakate II/211

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Die an sich rege Erwerbungstätigkeit des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum erlitt in der Zeit des Ersten Weltkrieges große Einschränkungen. Ankäufe und Schenkungen gingen stark zurück. Es ist sehr bezeichnend, wenn zu "patriotischen Dokumentationszwecken" z. B. Kriegsanleiheplakate mehr oder weniger formlos in die Sammlungsbestände aufgenommen wurden.

 

Der Krieg erforderte ungeheure Geldsummen, die zum größten Teil in die Rüstungsindustrie flossen, aber auch der Lebensmittelbeschaffung im neutralen Ausland dienten. Einen sehr großen Teil des Geldbedarfs deckten die Erlöse aus den von staatlicher Seite aufgelegten Kriegsanleihen. Zwischen November 1914 und Mai 1918 wurden acht Kriegsanleihen ausgeschrieben (Webhofer, 88ff). Zur Werbung brachte man eigene Plakate heraus, von denen einige interessante in Tiroler Druckereien entstanden. Der vorliegende Druck dürfte der Werbung für die Zeichnung der siebten Kriegsanleihe gedient haben.

 

Nach heutiger Interpretation ist dieses Bildplakat ein sehr gutes Beispiel für den Missbrauch der Geschichte bzw. historischer Persönlichkeiten. Natürlich war es gut und patriotisch gemeint, wenn Andreas Hofer sozusagen persönlich die Bevölkerung zum Zeichnen der Kriegsanleihe auffordert (Pizzinini 1984, 240). Die Darstellung Hofers in Halbfigur in einem vertrauten Sujet nach einem Gemälde von Albert Plattner wird ergänzt durch den Text "Andreas Hofer und die Kriegsanleihe!" von Hermann Greinz (1879-1938), der den Sandwirt geradezu als geldgierig hinstellt, wenn ihm z. B. die Worte in den Mund gelegt werden: "Aber wißts, Leuteln, zum Kriagführn, dazua gheart Geld. Die Kanonen sein koane Brunnenröhrn, die Kügelen wachsen nit wia die Kerschn auf die Baam, da hoaß't zohlen! Auf mit'm Beutel! ... Habts gheart? Den Beutel auf! ... Außer mit'm Geld und mit die Taler aus die Kasten und aus die Truchen! ... Mannder, i geh Enk nit von der Hosennaht, Weiber, i geh Enk nit von den Kittelfalten. Es mueß sein!" Im Anklang an die Aktion "Gold gab ich für Eisen" des Frauen-Hilfs-Vereines des Roten Kreuzes (Fontana, 492) will Hofer selbst seine "schware Kötten" mit Medaille, die er von Kaiser Franz als Ehrengeschenk erhalten hatte (mehr zu dieser Ehrenkette unter 1882), dem patriotischen Zweck opfern!

 

Das Kriegsanleihe-Plakat ergänzt in ausgezeichneter Weise die Sammlung historischer Plakate, insbesondere den Bestand von Plakaten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, bei denen es sich sonst zum allergrößten Teil um Schriftplakate handelt.


Literatur
Meinrad Pizzinini, Alt-Tirol im Plakat (Innsbruck 1983) bes. 186f. - Meinrad Pizzinini, Andreas Hofer. Seine Zeit - Sein Leben - Sein Mythos (Wien 1984) bes. 240. - Josef Fontana, Vom Neubau bis zum Untergang der Habsburgermonarchie (Geschichte des Landes Tirol 3, Bozen-Innsbruck-Wien 1987) bes. 491ff. - Silvie-Charlotte Falschlunger, Das Tiroler Plakatschaffen 1885-1945. Eine Dokumentation aus kunsthistorischer Sicht. Masch. phil. Diss. (Innsbruck 1988). - Reinhold Webhofer, Patriotische Propaganda in Tirol während des Ersten Weltkrieges 1914-1918. Masch. phil. Diss. (Innsbruck 1995) bes. 88-95.

 

Meinrad Pizzinini