Tenorviola, um 1635  

Tenorviola, um 1635

 

Jonas Heringer (Füssen um 1585 - um 1650 Füssen)
GesL 692 mm

Musiksammlung, Inv.-Nr. 118

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Der Innsbrucker Arzt Franz Waldner (1843-1917) hat das Verdienst, am Ferdinandeum 1907 ein "Musikalien-Kabinett" eingerichtet zu haben mit der Bestimmung, "tirolische Musikinstrumente" zu sammeln und auszustellen. Darüber hinaus galt sein Sammelinteresse auch Musikinstrumenten "nicht tirolischer Herkunft", soweit sie zu Vergleichszwecken der vom genialen Jakob Stainer ausgehenden berühmten Tiroler Schule des Geigenbaues bedeutsam waren, so vor allem Instrumente aus dem Füssener und Mittenwalder Raum.

 

Die Tenorviola, die Jonas Heringer um 1635 fertigte, ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Dieses Instrument von besonderer Seltenheit galt ursprünglich als ein Werk von Paolo Maggini aus Brescia, und erst der Tiroler Musikforscher und Spezialist für Streichinstrumentenbau Walter Senn hat in Jonas Heringer aus Füssen den wahren Schöpfer festgestellt. Die Arbeiten Heringers erinnern in vielen Details an jene der Brescianer Schule, womit auch die ursprüngliche Zuordnung seiner Viola an Maggini erklärbar wird. Das herausragend schöne Instrument ist nur teilweise im Originalzustand erhalten und wurde mehrmals repariert, zuletzt 1907 von einem böhmischen Geigenbauer. Nicht echt ist - wie bei den meisten Streichinstrumenten - der an den wahrscheinlich ebenfalls nicht originalen Wirbelkasten angeschäftete Hals. Solche Veränderungen an historischen Instrumenten wurden vor allem im Laufe des 19. Jahrhunderts vorgenommen, um den neuen und gesteigerten Anforderungen an Tonstärke und Tonumfang entsprechen zu können, womit allerdings die ursprünglich harmonische Proportionierung weitgehend zerstört wurde. Der Ton der Instrumente Heringers wird mit groß und edel beschrieben. Dieses Rarissimum kam aus dem Nachlass des Innsbrucker Konzertmeisters Franz Eibl an das Ferdinandeum.


Manfred Schneider