Der Maler im Blumengarten, um 1892  

Der Maler im Blumengarten, um 1892

 

Theodor von Hörmann (Imst 1840-1895 Graz)
Öl auf Leinwand, 37 x 58 cm
bez. re. u.: Theod. v. Hörmann
rücks. bez.: Legat der Frau Laura v. Hörmann, 5. X. 1913

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 986

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Der völlig autodidakt arbeitende Maler Theodor von Hörmann, im Hauptberuf Offizier, besuchte erst mit 33 Jahren die Akademie der bildenden Künste in Wien. Besonders prägend wirkte sich auf seine künstlerische Entfaltung der Kontakt zum großen österreichischen Landschaftsmaler Emil Jakob Schindler aus. 44-jährig nahm Hörmann seinen Abschied vom Militär und arbeitete ab nun - dank seiner Pension finanziell unabhängig - als freischaffender Künstler. Angeregt durch Werke der Schule von Barbizon und der französischen Impressionisten, die er auf der Weltausstellung in Wien 1873 kennen gelernt hatte, ging Hörmann 1886 für vier Jahre nach Frankreich. In Paris und auf Studienreisen malte er in der freien Natur und schuf impressionistisch anmutende Momentaufnahmen, in denen er jahreszeitliche Veränderungen und wechselnde Lichtsituationen festhielt. Die Farben setzte er zum Teil ungemischt und in großzügiger pastoser Weise auf die Leinwand. 1890 kehrte er aus Frankreich zurück und ließ sich in Znaim an der Thaya nieder. Die Herbst- und Wintermonate des Jahres 1892 verbrachte er nachweislich in Dachau bei Adolph Hölzel, einem ehemaligen Akademiekollegen und späteren Wegbereiter der abstrakten Malerei in Deutschland. Dieser Aufenthalt, der dem gemeinsamen Arbeiten und kollegialen Gedankenaustausch diente, fiel in die letzte Schaffenszeit Hörmanns, die als sein künstlerischer Höhepunkt anzusehen ist. Zahlreiche Gemälde aus dieser Zeit geben über seine gestalterische Weiterentwicklung und sein stetes Suchen nach neuen Ausdrucksformen - bis hin zu formauflösenden Tendenzen - Auskunft. In dem vorliegenden Gemälde "Der Maler im Blumengarten" porträtierte sich Hörmann selbst bei der Arbeit an der Staffelei. Das Bild zeigt ihn, wie er an einem sonnigen Tag die in den satten Farben des Sommers leuchtenden Blumen und Bäume des Dachauer Hofgartens mit dem Laubengang im Hintergrund auf der Leinwand malerisch festhält (Reitmeier, 66). Hörmann muss also auch während des Sommers Dachau besucht haben.

 

Das Gemälde kam 1913 als Legat der Witwe Theodor von Hörmanns in den Besitz des Tiroler Landesmuseums (EB 1913). In einer Quittung vom 16. Oktober 1913 bestätigt der Museumsvorstand Franz von Wieser, "... nach der am 10. Dezember 1912 verstorbenen Frau Laura von Hörmann zu Hörbach das dem Museum Ferdinandeum in Innsbruck im Punkte XII ihres Testamentes ddo. Wien, 24. November 1912 von der genannten Erblasserin legierte Bild aus Dachau mit ihres seligen Gatten Selbstbildnis bei der Arbeit dortselbst ..., in ornamentierten Goldrahmen ..., ausgefolgt erhalten zu haben" (MA 1913, 45).


Literatur
Hörmann-Ausstellung. Werke aus dem Nachlasse des Künstlers, Katalog Genossenschaft der Bildenden Künstler Wiens 1895 (Wien 1895) Kat.Nr. 50. - Theo Braunegger, Theodor von Hörmann 1840-1895. Österreichischer Landschaftsmaler. Masch. phil. Diss. (Innsbruck 1970) Kat.Nr. 121, Abb. S. 151 mit Werkkatalog und umfassendem Literaturverzeichnis. - Theo Braunegger / Magdalena Hörmann-Weingartner, Theodor von Hörmann 1840-1895 (Wien 1979) 199, Tafel XVII, mit umfassendem Literaturverzeichnis. - Lorenz Josef Reitmeier, Dachau. Ansichten und Zeugnisse aus Zwölf Jahrhunderten. Der andere Teil (Dachau 1979) 66, Kat.Nr. 145, mit Abb. - Theodor von Hörmann 1840-1895, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1995 (Innsbruck 1995) 137, Kat.Nr. 22, Abb. S. 103.

 

Eleonore Gürtler