Waldrand am Tummelplatz, 1911  

Waldrand am Tummelplatz, 1911

 

Artur Nikodem (Trient 1870-1940 Innsbruck)
Öl auf Leinwand, 75 x 67,5 cm
bez. re. u.: A. Nikodem 1911

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 990

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Das Gemälde "Waldrand am Tummelplatz" gehört zu den wenigen vorhandenen Werken aus der frühen Schaffenszeit von Artur Nikodem. Beherrschendes Motiv sind die nach oben hin abgeschnittenen Bäume, die mit ihren netzartig sich überschneidenden Ästen eine stark symbolhafte Grundstimmung vermitteln. Wenngleich hier noch die gesamte Komposition mittels eng nebeneinanderliegenden, kleinteiligen Farbmodulierungen zusammengehalten wird, fasst der Künstler bereits den Waldboden im Vordergrund, die Waldhügel im Hintergrund und den sich darüber erstreckenden Himmel zu deutlich voneinander abgegrenzten Farbflächen zusammen. Damit weist das Bild schon auf jene späteren Naturbilder hin, in denen er die Farbe in fast greifbarer Flächigkeit in das Gefüge des Raumes einspannt.

 

Nach seinen Studien in München, Mailand und Florenz hat sich Artur Nikodem 1891 in Paris aufgehalten. Nach Gottfried Hohenauer (1961, 21) nennt Nikodem "als seine damaligen Eindrücke und Anregungen ... Manet und Cézanne". Insbesondere die Kunst Paul Cézannes mag es gewesen sein, die dem knapp zweiundzwanzigjährigen Künstler den Weg in Richtung einer Verfestigung der Form öffnete, die den dargestellten Gegenstand nicht mehr im Sinne des Impressionismus in einen tiefen Raum von Licht und Luft auflöste, sondern vielmehr einem zweidimensionalen Bezugssystem der Fläche unterordnet. Darüber hinaus weist seine Neigung zu ornamentalen Bildschöpfungen eine deutliche Nähe zur Kunst der Secession und des Jugendstils auf.

 

Das Gemälde wurde am 12. Juli 1912 direkt vom Künstler erworben (EB 1912, Nr. 13 bzw. JB 1913, XXIII). Es gehört damit zu den sehr früh erworbenen Bildern von Artur Nikodem. Innerhalb der Gemäldesammlung des Ferdinandeums stellt es ein wichtiges Dokument des Übergangs vom Spätimpressionismus und Jugendstil zum Expressionismus in Tirol dar.


Artur Nikodem (1870-1940), Selbstbildnis, 1914
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1071
Mehr zu Artur Nikodem unter 1927



Literatur
Gottfried Hohenauer, Artur Nikodem (Innsbruck 1961). - Gottfried Hohenauer / Georg Kierdorf-Traut, Werkverzeichnis Artur Nikodem (Münster 1961) 32. - Gert Ammann, Vom Impressionismus zum Jugendstil, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1983 (Innsbruck 1983) 248 (Abb.), 250, Kat.Nr. 130. - Günter Dankl, Artur Nikodem, in: Katalog Tiroler Kunst- und Antiquitätenmesse 1988 (Innsbruck 1988) Abb. 2.

 

Günther Dankl