Tischuhr von Andreas Yllmer, 1559  

Tischuhr von Andreas Yllmer, 1559

 

Andreas Yllmer (Passeier ?-1587 Innsbruck)
Gehäuse: Bronze, Messing feuervergoldet; Werk: Eisen
L 21,5 cm, B 11,7 cm, H 35,5 cm
Signatur und Datierung: ANDREAS · ILMAR · // VRMACHER · ZVO · // ISBRVCK·1·5·5·9

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Uhren 4

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Im 16. Jahrhundert waren in Innsbruck einige tüchtige Uhrmacher tätig, darunter Nikolaus Lanz, Oswald Klossner und Andreas Yllmer (Yllmair, Illmair), die auch für auswärtige Persönlichkeiten arbeiteten.

 

Yllmer wird als "berühmtester deutscher Uhrmacher" seiner Zeit apostrophiert (Attlmayr 1973, 42). Er arbeitete als Hofuhrmacher für Kaiser Karl V. in Brüssel und hernach für Kaiser Ferdinand I., wenn er sich auch 1558 in Innsbruck niederließ. Die Yllmer-Uhr des Ferdinandeums wurde für den Landgrafen Philipp von Hessen im Jahr 1559 gebaut, worauf die Besitzerinschrift in Verbindung mit dem Wappen von Hessen weist: "PHILIP . D. G. LANDGRAVIVS HASSIAE, COM . IN . CATZENELNBOGEN, & z ·".

 

Das Gehäuse aus Bronze bzw. Messing, feuervergoldet, wirkt mit den Zifferblättern und Zeigern (u. a. für Uhrzeit, Stellung der Sonne im Tierkreis, Sonnenzirkel, Mondzirkel, Astrolabium, Monatstage, Tagesheilige) und besonders den Darstellungen von Kreuzigung, Auferstehung und Symboldarstellungen sehr prunkvoll. Möglicherweise stammen die kunstvollen Gravuren vom Innsbrucker Goldschmied Hans Pfaundler, mit dessen Tochter Yllmer verheiratet war.

 

Die "Rückkehr" der Uhr nach Innsbruck gestaltete sich schwierig. Sie wurde bei der Auktion Cann in Paris im Dezember 1911 angeboten, worauf sich sogleich mehrere Interessenten einstellten, darunter der bekannte Bankier und Kunstsammler Dr. Albert Figdor in Wien. Das Ferdinandeum vertrat der Münchner Numismatiker Dr. Jacob Hirsch. Wenn auch die Kaufsumme mit 11.000 Kronen limitiert wurde, erwarb sie Dr. Hirsch um 15.200 Kronen bzw. 17.480 Franc! Im Dankschreiben an Dr. Hirsch äußerte sich der Vorstand, Univ.-Prof. Dr. Franz von Wieser, dass man sich "trotz des für unsere Verhältnisse fast unerschwinglichen Preises" über die "Erwerbung eines so hervorragenden Kunstwerkes" sehr freue (MA 1910, 604). Nun sprang Dr. Figdor ein, der zugunsten des Ferdinandeums darauf verzichtet hatte, sich an der Auktion zu beteiligen. Er stiftete eine Summe von 8400 Kronen und erhielt dafür die Yllmer-Uhr auf Lebzeiten überlassen. Darüber wurde ein mit 23. Jänner 1911 datierter Vertrag zwischen ihm und dem Landesmuseum geschlossen (MA 1911, 47). Nach Figdors Tod im Februar 1927 wurde die wertvolle Uhr in das Ferdinandeum überstellt (MA 1927, 74).

 

Die Tischuhr von Andreas Yllmer gilt der "modernen" Technik zur Zeit ihrer Entstehung und vor allem des renaissancehaften, prunkvollen Gehäuses halber als kostbarste Räderuhr des Ferdinandeums.


Tischuhr, Signatur Andreas Yllmers und Datierung 1559
Historische Sammlungen, Uhren 4



Literatur
David von Schönherr, Andrä Yllmer, Uhrmacher zu Innsbruck, in: Repetitorium für Kunstwissenschaft I (1876) 407-410. - Harro H. Kühnelt, Zwei astronomische Uhren von Andreas Yllmer, in: Tiroler Heimat 21 (1958) 83-103. - Ernst Attlmayr, Der Hofuhrmacher Andrä Yllmer, in: Beiträge zur Technikgeschichte Tirols 5 (1975) 42-46. - Klaus Maurice, Die deutsche Räderuhr. Zur Kunst und Technik des mechanischen Zeitmessers im deutschen Sprachraum 1 und 2 (München 1976) 30, Abb. 162, 103, 133. - Erich Egg, Das Handwerk der Uhr- und Büchsenmacher in Tirol (Tiroler Wirtschaftsstudien 36, Innsbruck 1982) 32, 54-57.

 

Meinrad Pizzinini