Türkisches Ordensdiplom, 1848  

Türkisches Ordensdiplom, 1848

 

Verliehen an Jakob Philipp Fallmerayer (Tschötsch b. Brixen 1790-1861 München)
Papier, 547 x 338 mm, schwarze Tusche, Blattgold, Rückseite: schwarze Tusche mit Goldbeimengung

Bibliothek, Inv.-Nr. FB 32.253/3

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"... In Anbetracht, daß der Vorzeiger dieses erhabenen chakemischen Namenszuges, Herr Fallmerayer (möge sein Ansehen erhöht werden) einer aus den Professoren der Hochschule Baierns, der als Reisender nach meiner Hauptstadt gekommen ist, zu den Männern des Talents und Wissens, zu den mit Einsicht und Scharfsinn Begabten zählt; und da es ferner zu den preiswürdigen Äußerungen wissenschaft fördernden Regentenstrebens gehört solche Gelehrte auszuzeichnen und zu erfreuen: so ist ihm - einzig und allein als Merkmal freundlicher Gewogenheit - von Seiten Meiner Hoheit und Glanz in sich vereinenden, kaiserlichen Person ein erhabenes Ehren-Zeichen (Nischan) verliehen, und in Folge dessen auch gegenwärtiges, gnadenvolles, großherrliches Diplom für ihn erlassen und ausgefertigt worden ..." (Transkription des Diploms, FB 32.253/2).

 

Es war dem Kleinbauernsohn Fallmerayer sicher nicht an der Wiege gesungen worden, dass er einst vom türkischen Sultan Abdul-Medschid den Nischan-i Iftihar, den Orden des Ruhms, verliehen bekommen sollte. Auch sonst verlief sein Leben - geprägt von vielen Zufälligkeiten - eher atypisch! Geographisch führte ihn sein Weg von Brixen über Salzburg, Landshut, Augsburg dreimal in den Orient, nach Frankfurt, Stuttgart, ins Schweizer Exil, München etc.; beruflich entwickelte er sich vom Studenten der Theologie zum Philologen, Soldaten, Gymnasiallehrer, Reisebegleiter, Berater Maximilians von Bayern, zum Parlamentarier, ernannten Universitätsprofessor, Journalisten und Publizisten, Mitglied der wissenschaftlichen Akademien in München, Wien und Budapest. Thematisch kreisen seine wissenschaftlichen Arbeiten vor allem um Griechenland und den Orient.

 

Nicht nur am Museum (Fallmerayers Büste ziert die Front, mehr dazu unter 1884), auch im Museum ist er präsent: Zu Lebzeiten sind seine Neuerscheinungen als "Geschenk des Verfassers" oder auch "Geschenk von Baron Hormayr" in die Bibliothek gelangt. An Handschriftlichem besitzt das Museum seine kompletten Tagebuchaufzeichnungen (Vereinsnachrichten 1890f, mehr dazu unter Chronik 1889), das Manuskript seiner ersten großen Arbeit "Geschichte des Kaiserthums von Trapezunt" (EB 1862), persönliche - 1910 auf Vermittlung von Raimund von Klebelsberg (MA 1910, 504, 535) aus der Versteigerung des Nachlasses eines Brixner Neffen Fallmerayers erworbene - Dokumente, einzelne Autographe verschiedenster Provenienz, darüber hinaus (wenn auch nur in Photokopie) den schriftlichen Nachlass Fallmerayers, soweit ihn Univ.-Prof. Dr. Eugen Thurnher als Grundlage seiner eigenen Fallmerayer-Forschungen in diversen Archiven zusammengetragen hat!


Josef Erler (1804-1844), Jakob Philipp Fallmerayer, 1842
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 428



Literatur
[Fallmerayer-Sonderheft], Der Schlern 2 (1921)157-208. - Herbert Seidler, Jakob Philipp Fallmerayers geistige Entwicklung. Ein Beitrag zur deutschen Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts (Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, N. F., 26, München 1947). - Arnulf Kollautz, Jakob Philipp Fallmerayers Ehrung durch den Sultan, in: Tiroler Heimat 56 (1992)155-160. - Eugen Thurnher (Hg.), Jakob Philipp Fallmerayer. Wissenschaftler, Politiker, Schriftsteller (Schlern-Schriften 292, Innsbruck 1993). - Michael Grünbart, Jakob Philipp Fallmerayer und sein türkischer Orden. Briefe und Aktenstücke aus den Jahren 1847 bis 1849, in: biblos. Beiträge zu Buch, Bibliothek und Schrift 44,2 (1995) 271-295. - Michael Grünbart, Fragmenta Fallmerayeriana. Bemerkungen zu zwei Neuerscheinungen, in: biblos. Beiträge zu Buch, Bibliothek und Schrift 45,1 (1996) 141-147. - Thomas Leeb, Jakob Philipp Fallmerayer. Publizist und Politiker zwischen Revolution und Reaktion. 1835-1861 (Schriftenreihe zur Bayerischen Landesgeschichte 109, München 1996).

 

Ellen Hastaba