Tirol-Dokumentation  

Tirol-Dokumentation

 

Eingeführt von Conrad Fischnaler (Sterzing 1855-1941 Innsbruck)
Lehrer, Heraldiker, Heimatforscher, Chronist, von 1884/85 bis 1912 Museumskustos
von Fischnaler beschriebene Karteikärtchen, Papier, ca. 85 x 105 mm

Bibliothek, Inv.-Nr. Zettelkatalog

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Für die Bibliothek ein Glücksfall war, dass nach dem Tod von Kustos Balthasar Hunold 1884 "eine hoffnungsvolle junge Kraft" (Vereinsnachrichten 1885, VII) in Fischnaler gefunden werden konnte, der schon im darauf folgenden Jahr seiner an den Tag gelegten Emsig- und Verlässlichkeit wegen "definitiv zum Museumscustos ernannt" und dem "die Pensionsberechtigung für den Fall der Dienstuntauglichkeit unter dem Ausdrucke des Dankes für seine besondere Mühewaltung zuerkannt" (Vereinsnachrichten 1886, XIXf) wurde. Zunächst widmete er sich, neben den Alltagsgeschäften, der Erstellung neuer (heute unauffindbarer) Kunstkataloge.

 

Wann er mit der Neukatalogisierung der Bibliothek begonnen hat, ist unklar. 1900 erhielt er "für die außerordentlich mühevolle und exacte Bearbeitung eines neuen wertvollen Zettel-Kataloges der Ferdinandeums-Bibliothek" als Zeichen der "Anerkennung ein Ehrengeschenk von 500 Kronen" (MA 1900, 343), welches jedoch nicht den Abschluss - dieser dürfte 1908 erfolgt sein - der Arbeit markierte! Gegenüber dem bestehenden, von Josef Durig angelegten Bandkatalog war nicht nur die flexiblere Zettelform neu, sondern vor allem die konsequente, in die Tiefe gehende inhaltliche Erschließung des gesamten Bestandes - auch retrospektiv! - unter tirolspezifischen Gesichtspunkten, mit anderen Worten: die Begründung der bis heute fortgeführten Tirol-Dokumentation durch das Ferdinandeum. Diese ist die Summe der in einer Reihe in sich abgeschlossener Katalogteile gespeicherten Information: "Der eine ist alphabetisch nach den Namen der Verfasser und bei den Schriften, die keinen Verfasser nennen, nach deren Titel angelegt. Außerdem hat ... Fischnaler einen Realkatalog angelegt, in dem der Inhalt aller Bücher, Zeitschriften, Zeitungen und Handschriften des Ferdinandeums nach den dort behandelten Personen, Orten und Gegenständen verzettelt ist." (Stolz, 111f) Rasch bekommt der Benützer beispielsweise Auskunft über Literatur über Persönlichkeiten, lokale Ereignisse etc., wobei bis heute "Tirol in seinen historischen Grenzen" der maßgebliche geographische Rahmen der Dokumentation ist. - Im Großen und Ganzen hat sich an dem von Fischnaler eingeführten System der dichten inhaltlichen Erschließung - so vermehrt z. B. eine Tageszeitungsnummer den Katalog um rund 25 Karteikärtchen - nichts geändert. Allerdings wird die Tirol-Dokumentation seit April 2003 ausschließlich auf elektronischem Weg fortgeführt.

 

Nebenprodukt von Fischnalers Beschäftigung mit der Heraldik ist die Tiroler Wappenkartei.


Conrad Fischnaler, Fotographie
Bibliothek, W 24.200



Literatur
Gekürzt aus: Ellen Hastaba, Conrad Fischnalers Zettelkatalog. In: Die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Die Geschichte ihres Bestandes. Ihre Funktion als Museums- und Tirolensienbibliothek. 1823-1900, bibliothekarische Hausarbeit (Innsbruck 1997) 151-167 (hier ab 131 auch zu den früheren Bibliothekskatalogen). - Otto Stolz, Das Ferdinandeum als wissenschaftliche Anstalt, in: Tirol. Natur - Kunst - Volk - Leben (Innsbruck 1930) 110-112.

 

Ellen Hastaba